Schwarzer Ozean

ein Film von Marion Hänsel

Belgien/Frankreich/Deutschland 2010, 88 Minuten, französische Originalfassung mit deutschen Untertiteln

FSK 6

Kinostart: 7. Juni 2012

mit Nicolas Robin, Adrien Jolivet, Romain David, Alexandre de Seze u.a.

Schwarzer Ozean

Die jungen Rekruten Massina, Moriaty und Da Maggio leisten 1975 ihren Wehrdienst auf einem französischen Marineschiff im Südpazifik. Über die Atomversuche in diesem Gebiet werden sie nicht informiert. In einer von Disziplin und Gewalt, Langeweile und Einsamkeit geprägten Atmosphäre an Bord freunden sich der eher kindliche Massina und der reifere und introvertierte Moriaty miteinander an. Als sie im Rahmen einer Übung eine Atomexplosion miterleben, ist das für beide ein Schock – doch nur Moriaty ist sich über die Konsequenzen dieses Vorfalls im Klaren. Für ihn bricht eine Welt zusammen und er beginnt, seine gesamten Überzeugungen infrage zu stellen. Auch die Freundschaft zu Massina hilft ihm nicht über diese Erfahrung hinweg.

Die renommierte belgische Filmemacherin Marion Hänsel („Im Herzen des Landes“, „Der Teufel und die tiefe blaue See“, „Als der Wind den Sand berührte“) adaptierte für das Drehbuch zwei autobiografisch inspirierte Erzählungen von Hubert Mingarelli, der sich als junger Mann selbst freiwillig zur französischen Marine auf dem Mururoa-Atoll verpflichtet hatte. Zwischen 1966 und 1995 wurden im Auftrag der französischen Regierung über 170 Atomversuche im Südpazifik unternommen. Details darüber wurden in dieser Zeit geheim gehalten und erst vor wenigen Jahren veröffentlicht.

Hänsel interessierte sich vor allem für die Situation von im Leben noch nicht gefestigten Sechzehn- bis Zwanzigjährigen, die im Auftrag ihrer Regierungen Gefahren ausgesetzt werden, deren Ausmaß und Folgen sie nicht einschätzen können. Der Vergleich zu den amerikanischen und europäischen Soldaten im heutigen Irak oder Afghanistan ist beabsichtigt.

Nachdem das französische Verteidigungsministerium und die Marine dem Projekt zunächst ihre Unterstützung zugesagt und Hänsel bei der Recherche geholfen hatten, wurde die Zusage mit dem Grund wieder entzogen, das Drehbuch würde die historische Atmosphäre und den Enthusiasmus der Mannschaften nicht akkurat wiedergeben.

Hänsel konnte schließlich mit der Hilfe eines Marineveteranen die militärischen Rituale, auf einem unter russischer Flagge fahrenden historischen Marineschiff (das für die Dreharbeiten umgestrichen werden musste) das Setting an Deck und mithilfe von stummem Dokumentarfilmmaterial den Effekt einer oberirdischen Atomexplosion rekonstruieren. Die Außendreharbeiten fanden auf einer verlassenen NATO-Atombasis vor Sardinien und auf Guadeloupe statt.

„Mein Film soll zart sein wie der Atem eines Kindes und trotzdem aufgeladen mit einer immer präsenten, unterschwelligen Gewalt. Als sei jede Figur kurz davor zu implodieren, von innen heraus zu zerbrechen, weil sie dem, was sie fühlt und was sie gesehen hat, keinen Ausdruck verleihen kann.” (Marion Hänsel)

Trailer

Biografie

Marion Hänsel wurde 1949 in Marseille geboren und wuchs in Antwerpen auf. Sie begann eine Schauspielausbildung am IAD (Institut des Arts de Diffusion) in Brüssel, bewarb sich allerdings ohne Abschluss am Théâtre des Galeries und am Théâtre des Quatre Sous. Da sie Filmschauspielerin werden wollte, ging sie nach New York und belegte einen Kurs an Lee Strasbergs Actors Studio. Wieder in Europa besuchte sie die Artistenschule von Annie Fratellini in Paris. Sie schrieb das Drehbuch zum Kurzfilm „Equilibres“, den sie ohne Förderung mit ihrer eigenen Produktionsfirma Man’s Films 1977 realisieren konnte. In den 1970er Jahren war sie außerdem in mehreren Filmen als Schauspielerin zu sehen, u.a. in „Berthe“ von Patrick Ledoux und in „Die eine singt, die andere nicht“ von Agnès Varda. 1982 drehte Hänsel ihren ersten Langspielfilm, „Die Kraft der Liebe“ („Le Lit“), die Verfilmung eines Romans von Dominique Rollin. Wieder musste sie den Film selbst produzieren, der finanziell zwar kein Erfolg war, allerdings für den Prix Cavens (Bester belgischer Film) nominiert wurde.

1984 verfilmte sie mit „Im Herzen des Landes“ („Dust“) einen Roman des späteren Literaturnobelpreisträgers J. M. Coetzee und wurde dafür mit dem Silbernen Löwen beim Internationalen Filmfestival in Venedig ausgezeichnet (die erste Auszeichnung für einen belgischen Film dort überhaupt). Auch international war der Film mit Trevor Howard und Jane Birkin in den Hauptrollen erfolgreich. 1987 folgte „Les noces barbares“, die Verfilmung des 1985 mit dem Prix Goncourt ausgezeichneten Romans von Yann Queffelec. Im gleichen Jahr wurde Marion Hänsel in Belgien zur „Frau des Jahres“ gekürt und übernahm 1988 die Leitungsfunktion der wallonischen Filmförderung (bis 1990, außerdem 1996–97 und 2002–03).

Ihre nächsten Filme waren „Il Maestro“ (1989), „Verschwörung der Kinder“ („Sur la terre comme au ciel“, 1991), „Der Teufel und die tiefe blaue See“ („Between The Devil And The Deep Blue Sea“, 1995, Wettbewerb der internationalen Filmfestspiele in Cannes), „The Quarry“ (1998, Grand Prix des Amériques à Montréal), der Dokumentarfilm „Wolken – Briefe an meinen Sohn“ („Nuages: lettres á mon fils“, 2001) und schließlich „Als der Wing den Sand berührte“ („Sie le vent soulève les sables“, 2006).

Mit ihrer Produktionsfirma Man’s Films fördert Hänsel aktiv belgische Produktionen und Co-Produktionen. U.a. war sie Co-Produzentin von „Blueberry Hill, Sommer wie Winter …“, „25 Grad im Winter“ und der Filme von Danis Tanovic (u.a. des Auslands-Oscar-Preisträgers „No Man’s Land“, 2001).