„Alles ist sehr ungewiss, und gerade
das finde ich sehr beruhigend.“
 
(aus „Winter im Mumintal“ von Tove Jansson)
 
Liebe Freundinnen und Freunde,
 
die queerfilmnacht blickt diesen Monat gen Norden. Gleich zwei Filme zeigen, wie mitreißend und leidenschaftlich nicht-heterosexuelles Kino aus Skandinavien sein kann:

In David Färdmars Liebesdrama „Are We Lost Forever“ aus Göteborg trennen sich Hampus und Adrian nach einer jahrelangen Beziehung voller Höhen und Tiefen. Hampus empfindet vor allem Erleichterung. Zu oft wurde er von seinem ehemaligen Verlobten verletzt und enttäuscht. Doch Adrian trauert und weiß nicht, wie es ohne Hampus weitergehen soll. Ein Film, der authentisch von den Scherben einer zerbrochenen Beziehung und der leisen Hoffnung auf einen Neuanfang handelt.

Katja Gauriloff erzählt in „Baby Jane“ von Jonna, die gerade zum Studium nach Helsinki gezogen ist und voller Abenteuerlust in das pulsierende Nachtleben eintaucht. In einer queeren Bar lernt sie Piki kennen – und ist sofort fasziniert von der geheimnisvollen Frau mit der dunklen Stimme. Roosa Söderholm und die Sängerin Maria Ylipää spielen in dem rauen Liebesfilm ein Paar, dessen stürmische Beziehung auch entlang von Abgründen verläuft.
Heute feiert „Genderation“ auf der Berlinale digitale Premiere. Über zwei Jahrzehnte nach ihrem bahnbrechenden queeren Klassiker „Gendernauts“ (1999) begegnet Monika Treut darin den Pionier*innen der US-amerikanischen Transbewegung wieder und fragt, wie sich ihre Leben verändert haben. Einen Vorgeschmack auf den Film liefert der frisch fertig gewordene Trailer.

Wir haben Wieland Speck gebeten, für Euch und uns mit Monika, Elfi Mikesch und den Gendernauten Susan Stryker, Sandy Stone, Max Wolf Valerio, Annie Sprinkle und Beth Stephens über den Film zu sprechen. Das Ergebnis ist eine utopische Zoom-Reise in Vergangenheit und Zukunft zugleich.
„Wärmer ums Herz könnte einer kaum werden als in diesem Film“, lobte Spiegel Online. „Ein seltenes Glück“, schwärmte Kino-Zeit. „Eine Liebeserklärung an Berlin“, entdeckte die Berliner Morgenpost. Und Zett sah ganz einfach „den Film dieses Sommers“. Gemeint sind natürlich „Kokon“ und der Sommer 2020, als Leonie Krippendorffs sinnlicher Coming-of-Age- und Liebesfilm in den Kinos lief. Jetzt gibt es „Kokon“ auch auf DVD – u.a. mit 12 wunderbaren Deleted Scenes – und kann so auch ein Film des Frühjahrs 2021 werden!

„Er zeigt, was der deutsche Film könnte“, resümierte Frank Schirrmeister jüngst in Der Freitag und erklärte „Kokon“ zu einem Beispiel dafür, wie es doch gelingen könnte, die Gesellschaft in ihrer Realität und Diversität abzubilden. Um ähnliche Aspekte geht es auch in der aktuellen Ausgabe von Michael Meyers schwulem Podcast „Queer as Berlin“: Björn spricht darin über die Herausforderungen der letzten zwölf Monate, aber auch über die Freuden des Filmverleihers und die filmischen Highlights der nächsten Monate. Und im Teddy Talk diskutiert Björn mit Produzentin und Drehbuchautorin Paulina Lorenz („Futur Drei“), Regisseur Ray Yeung, Filmagentin María Vera und Martin Gondre vom Weltvertrieb Best Friends Forever über die Vermarktung von queeren Filmen in Zeiten der Krise.
Apropos Blick nach vorne – um für mehr Klarheit zu sorgen, haben wir mal den Filmsommer durchgeplant:

Am 10. Juni starten wir „Räuberhände“, den neuen Film von Ilker Çatak („Es gilt das gesprochene Wort“), nach dem Erfolgsroman von Finn-Ole Heinrich. Am 24. Juni bringen wir „Das Mädchen und die Spinne“ in die Kinos, den neuen Film von Ramon und Silvan Zürcher, der am Dienstag seine Premiere in der Sektion Encounters auf der diesjährigen Berlinale feierte. Kinostart für das schwule Liebesdrama „Beyto“ ist der 1. Juli, und „a-ha –The Movie“ von Thomas Robsahm und Aslaug Holm präsentieren wir am 8. Juli. Und am 22. Juli startet „Glück“ von Henrika Kull, der am Mittwoch im Panorama der Berlinale zu sehen war.
Und vom 1. bis 5. September feiern wir auch wieder auf dem queerfilmfestival die besten neuen queeren Filme des Jahres!

Ein Highlight des Festivals steht schon fest: Nicolas Maurys ultra-campes Regiedebüt „Die Rolle meines Lebens“. Darin spielt Maury, den einige als Darsteller aus Yann Gonzalez’ „Begegnungen nach Mitternacht“ (2013) und „Messer im Herz“ (2018) kennen dürften, einen hysterischen Schauspieler in einer existentiellen Sinnkrise. Maury inszeniert sich dabei selbst so treffsicher, dass sein Film gerade für einen César als Bestes Erstlingswerk nominiert wurde. Aktuell ist Nicolas zudem einer von zehn European Shooting Stars.
Und dann …
 
… haben wir auch schon den ersten tollen Berlinale-Einkauf zu vermelden: „Tove“ der finnischen Regisseurin Zaida Bergroth erzählt vom Leben der legendären Mumins-Erfinderin, Schriftstellerin und Malerin Tove Jansson. Der Kinostart ist für den 26. August geplant.
Euch alles, alles Gute und Liebe aus der Prinzessinnenstraße!

Stay safe ...
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