„Das Bild seines Gesichts verschwimmt.
Ich bekomme es nicht mehr scharf.
Es ist nur noch Leere in mir.“


(Gamze Kubaşık, Tochter von Mehmet Kubaşık,
der am 4. April 2006 als achtes NSU-Opfer
ermordet wurde – aus „Spuren“)
 
Liebe Freundinnen und Freunde,
 
unter dem Motto „Uns gehört die Welt!“ startete gestern das zweite queerfilmfestival. Unser Eröffnungsfilm „Futur Drei“ war in fast allen elf Städten ausverkauft – genauso wie die Spätvorstellungen von „Port Authority“. Wir freuen uns über den tollen Auftakt und auf die kommenden vier Festivaltage, an denen weitere zehn queere Filmhighlights in insgesamt 15 Kinos gezeigt werden.

Ein Teil des Hauptprogramms – fünf Langfilme und ein Kurzfilmprogramm, das unsere Freund_innen vom XPOSED zusammengestellt haben – und unsere Retrospektive mit zwölf queeren New-York-Filmen kann man ab sofort hier streamen.

Und unsere Wolke ist mittlerweile prall mit Extras rund um das Festivalprogramm gefüllt: Monika Treut, Veteranin des queeren Low-Budget-Films, erinnert sich in einem Video-Interview an ihre Zeit in New York und gleicht sie mit den Filmen der Retro ab, u.a. mit Arthur J. Bressans bewegendem Aids-Drama „Buddies“. Ira Sachs („Keep the Lights On“) spricht im ausführlichen Zoom-Talk über sein eigenes Werk und New York als sich ständig wandelnden Lebensraum. Und Therese Koppe („Im Sillen laut“), Faraz Shariat („Futur Drei“) und Tucké Royale („Neubau“) diskutieren im Online-Panel über Heimat, postmigrantische Erzählperspektiven und Neue Selbstverständlichkeiten. Um nur einige Wolken-Highlights zu nennen ...
„Ein hochspannender Einblick in den Alltag einer Spitzenpolitikerin“, schrieb Der Freitag. „Ein leiser, nachdenklicher Film von selten gewordener Behutsamkeit“, konnte man in der Berliner Zeitung lesen. Ab heute ist Sandra Kaudelkas vielschichtiger Porträtfilm „Wagenknecht“ über die Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht im Salzgeber Club zu sehen.

In Alan Browns „Five Dances“ reist ein junger Student aus der Provinz nach New York, um sich einer verwegenen Tanzgruppe anzuschließen. Zur Poesie und Sinnlichkeit des Films tragen vor allem die Choreografien von Jonah Bokaer bei, der regelmäßig mit Robert Wilson zusammenarbeitet, sowie die traurig-schönen Songs von Scott Matthew. Ab 10. September kann man dem intimen Bewegungsspiel im Salzgeber Club folgen.
Spuren – das sind nicht nur die Hinweise, die Verbrecher am Tatort hinterlassen, sondern auch die Verletzungen und Narben, die ihre Taten bei den Angehörigen der Opfer, in den migrantischen Gemeinschaften und in der gesamten deutschen Gesellschaft verursachen. In ihrem Dokumentarfilm „Spuren“ begibt sich die türkischstämmige Regisseurin Aysun Bademsoy auf die Suche nach diesen Spuren und stellt sich dabei die Frage, welcher Prozess diese Verletzungen überhaupt heilen könnte. Ihr Film gibt den Angehörigen der Opfer des NSU endlich eine Stimme. Und ist ab sofort auf DVD erhältlich.

Wer „Kopfplatzen“ von Savaş Ceviz im Kino verpasst hat, kann den Film jetzt Zuhause nachholen: Das aufwühlende Drama mit Kinostar Max Riemelt ist ab sofort im Handel erhältlich.
Die Salzgeber Buchverlage gratulieren Autorin Christine Wunnicke, die es mit ihrem Roman „Die Dame mit der bemalten Hand“ (Berenberg Verlag) schon zum dritten Mal auf die Longlist für den Deutschen Buchpreis geschafft hat. Wir drücken die Daumen und verweisen auf die queeren Beiträge aus dem Wunnicke-Œuvre, die mit dem schwulen Mini-Western „Missouri“ sowie dem Aufsatz „Orchideen“ aus der Erfolgsanthologie „Schwule Nachbarn“ bei Männerschwarm erschienen sind.
Und nicht zu vergessen ...

... Robert Capa (1913-1954) ist einer der größten Fotografen des 20. Jahrhunderts. Weitgehend unbekannt jedoch blieben die über 600 Fotos, die er im Sommer 1945, in US-amerikanischer Uniform, in Berlin aufnahm. Ein subjektiver, auch distanzierter Blick auf die befreite, zerstörte Stadt und ihre Menschen.

75 Jahre nach der Befreiung Europas vom Nationalsozialismus werden zum ersten Mal 120 Fotografien aus Capas Berlin-Konvolut in einer Ausstellung gezeigt. Unter dem Titel „Robert Capa, Berlin Sommer 1945“ kann man ab dem 10. September die Originalfotos bei unseren Freund_innen im Centrum Judaicum in Berlin besichtigen.

Der prachtvoll ausgestattete Begleitband zur Ausstellung, herausgegeben von Chana Schütz, ist bei Salzgeber erschienen und ab dem 10. September im Handel erhältlich.

Euch alles, alles Gute und Liebe aus der Prinzessinnenstraße!

Stay safe ...
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