Queerfilmnacht und ab 19. November im Kino

Der Prinz

ein Film von Sebastián Muñoz

Chile/Argentinien/Belgien 2019, 96 Minuten, spanische Originalfassung mit deutschen Untertiteln

Der Prinz

Chile 1970. Am Ende einer durchzechten Nacht ersticht der 20-jährige Jaime seinen heimlich begehrten besten Freund. Im Gefängnis landet er in einer Gruppenzelle, die vom gefürchteten Potro geführt wird, den alle nur „den Hengst“ nennen. Potro wird Jaimes Beschützer und macht ihn zu seinem neuen „Prinzen“, erwartet dafür aber Loyalität und sexuelle Unterordnung. Die „schwarze Liebe“ zwischen den beiden erfüllt Jaimes Bedürfnis nach Zuneigung und Zugehörigkeit. Doch dann entbrennt im Knast ein brutaler Machtkampf.

Mit pulsierenden Bildern fängt Regisseur Sebastián Muñoz eine schwule Beziehung an einem brutalen Ort ein, der zugleich besondere sexuelle Freiheiten bietet. „Der Prinz“ basiert auf Mario Cruz’ lange verschollenen Roman, der parallel zum Film erstmals in deutscher Übersetzung erscheint, und zeichnet ein faszinierendes Porträt Chiles kurz vor dem Amtsantritt Salvador Allendes.

Trailer

Galerie

DIRECTOR’S STATEMENT
SEBASTIÁN MUÑOZ ÜBER SEINEN FILM

Als ich das Buch in einem Second-Hand-Buchladen fand, hatte ich nicht erwartet, hinter der Aufmachung eines billigen Erotikromans das faszinierende Porträt der chilenischen Gesellschaft in den 1970er Jahren zu entdecken, in einer Geschichte von Gewalt, Liebe und Sex zwischen Gefangenen, einer homoerotischen und fesselnden Erzählung. Als schwuler Mann in den Vierzigern und Teil einer Generation, die ihre Homosexualität leben kann, vermag ich mir nicht einmal vorzustellen, welchen Wirbel dieses Buch zur damaligen Zeit sowohl unter den Konservativen als auch innerhalb des chilenischen linken Flügels verursacht hat. Das hat mich dazu inspiriert, die Geschichte auf die große Leinwand zu bringen – und dabei all meine Erfahrung als Produktionsdesigner zu nutzen, um die Welt von „Der Prinz“ zu erschaffen.

Biografien

SEBASTIÁN MUÑOZ (Regie & Co-Buch) machte seinen Abschluss an der Filmschule der Universität Arcis. Als Produktionsdesigner war er an zahlreichen Filmen des zeitgenössischen chilenischen Kinos beteiligt, etwa an „Turistas“ (2009) und „Il Futuro“ (2013) von Alicia Scherson oder „Ilusiones Ópticas“ (2009) von Cristián Jiménez. Nach dem Dokumentarfilm „Buenos Aires Rap“ aus dem Jahr 2014 ist „Der Prinz“ Muñoz‘ erster Spielfilm als Regisseur.

Filmografie (als Regisseur):

  • 2014

    „Buenos Aires Rap“ (Dok.)

  • 2019

    „Der Prinz“


JUAN CARLOS MALDONADO (Jaime) begann seine Karriere auf der Theaterbühne. 2014 war er erstmals auf dem Fernsehbildschirm zu sehen, in der Serie „Las 2 Carolinas“. Es folgten weitere Auftritte in Fernsehserien und -filmen. In „Der Prinz“ spielt er seine erste Hauptrolle in einem Kinofilm.

ALFREDO CASTRO („The Stallion“) kann auf eine lange Karriere als Theaterregisseur, Serien- und Filmschauspieler zurückblicken. Nach seinem Abschluss an der Theaterschule der Universität von Chile gehörte er zwischen 1981 und 1989 zur Teatro Itinerante’s Company und gründete im Jahr 1989 die Teatro La Memoria’s Company. Bekannt ist Castro für seine zahlreichen Auftritte in TV-Serien; sein Kinodebüt gab er 2006 in Pablo Larraíns „La Fuga“. Seitdem war er in vielen Filmen zu sehen, etwa in „Tony Manero“ (2008), „El Club“ (2015), „Caracas, eine Liebe“ (2015) und „Los Perros“ (2017).

GASTÓN PAULS (Che Pibe) ist sowohl als Film- und Fernsehschauspieler als auch als Produzent bekannt. Nach seinem Debüt in Gerardo Herreros „Territorio comanche“ (1997) erhielt vor allem seine Darstellung in Fabián Bielinskys „Nine Queens” (2000) internationale Aufmerksamkeit. Pauls trat in mehr als 40 Produktionen aus Argentinien, Chile, Spanien, den USA und Uruguay auf.

HINTERGRUND
CHILE UM DAS JAHR 1970

Muñoz’ Verfilmung „Der Prinz“ spielt zu der Zeit, in der Mario Cruz’ gleichnamiger Roman entstand: Sie beginnt 1969 und endet im September 1970 – am Tag, als der chilenische Arzt und Politiker Salvador Allende die Präsidentschaft Chiles mit einer wuchtigen Rede antrat. Allendes Ziel war es, auf demokratischem Wege eine sozialistische Gesellschaft im Land zu etablieren. Er löste den Christdemokraten Eduardo Frei Montalva ab – zu einem Zeitpunkt, als das Land sich in einer prekären Situation, einer tiefen wirtschaftlichen Krise befand: In der 10 Millionen Menschen umfassenden Bevölkerung galten 1,5 Millionen Kinder als unterernährt, 500.000 Familien waren obdachlos, die Arbeitslosigkeit lag bei 8,8 Prozent. 80 Prozent des Nutzlandes waren in der Hand einer sehr kleinen Oberschicht.

Frei Montalva war während seiner Regierungszeit zwischen 1964 und 1970 mit seinen wichtigsten Reformen gescheitert. So war etwa die von ihm geplante teilweise Verstaatlichung der Kupferindustrie dem linken Flügel nicht weit genug gegangen, während der konservative Teil darin bereits den ersten Schritt zum Kommunismus gesehen hatte. So war es dem Politiker im Laufe der Jahre nicht gelungen, einen Spagat zwischen den radikalen Forderungen der Linken und der extremen Abwehrhaltung der Rechten zu meistern.

Mit Salvador Allende war erstmals ein Sozialist durch eine demokratische Wahl zum Staatsoberhaupt eines Landes gewählt worden. Er war als Kandidat des 1969 gegründeten linken Wahlbündnisses Unidad Popular (UP) angetreten, dem neben der Kommunistischen und der Sozialistischen Partei noch mehrere kleine marxistische und christliche Parteien angehörten. In seiner energischen Antrittsrede, die am Ende von DER PRINZ im Radio zu hören ist, spricht der bekennende Marxist von den harten, schwierigen Zeiten, die das Land erwartet – doch er lässt auch Hoffnung durchscheinen. Durch seinen empathischen Blick für die Sorgen und Nöte der „kleinen Leute“ galt Allende vielen in der Bevölkerung als Hoffnungsträger. Bei seiner Vereidigung als Präsident im November 1970 verkündet er: „Wir werden eine echte Demokratie errichten. Denn das Volk wird daran beteiligt sein – und nicht wie bisher nur eine Minderheit.“

Allendes Politik ließ die Arbeiter sowie die Unterschicht auf eine Verbesserung ihrer ärmlichen Lebensumstände hoffen, etwa durch Einfrieren der Miet- und Lebensmittelpreise oder durch einen kostenfreien Zugang zu Bildung und zu medizinischer Versorgung. Um sein Programm zu finanzieren, enteignete Allende Kohle- und Kupferminen und verstaatlichte Industriezweige sowie Banken – wodurch er die Oberschicht des Landes sowie ausländische Investoren, insbesondere die USA, gegen sich aufbrachte. Mittels der CIA versuchte die USA fortan, der Präsidentschaft Allendes ein möglichst rasches Ende zu bereiten. Neben anderen kapitalistischen Ländern boykottierte die USA den Handel und die Wirtschaft Chiles. Und auch im Inland kam es immer mehr zu Widerstand.

Insgesamt blieb Allende nur drei Jahre im Amt, bis er 1973 durch einen gewaltsamen, von den USA unterstützten Militärputsch gestürzt wurde, in dessen Verlauf er Suizid beging. Eine Militärjunta unter der Führung Augusto Pinochets setzte die Verfassung außer Kraft. Das Ergebnis war eine blutige Militärdiktatur.

Credits

Cast

Jaime

Juan Carlos Maldonado

Potro / Der Hengst

Alfredo Castro

Der Zigeuner

Cesare Serra

Che Pibe

Gastón Pauls

Danny El Rucio

Lucas Balmaceda

Crew

Regie

Sebastián Muñoz

Buch

Luis Barrales , Sebastián Muñoz

Kamera

Enrique Stindt

Schnitt

Danielle Fillios

Musik

Ángela Acuña

Ton

Guido Deniro

Produktionsdesign

Claudia Gallardo

Kostümdesign

Carolina Espina

Produzenten

Marianne Mayer-Beckh, Roberto Doveris, Nicolás Grosso, Federico Sande Novo, Griselda Gonzalez, Mark Rees

eine Produktion von El Otro Film, Niña Niño Films, Le Tiro und Be Revolution Pictures

im Verleih von Salzgeber