„Unter normalen Umständen
wäre das alles nicht passiert.“
 
(aus „Räuberhände“ von Finn-Ole Heinrich)
 
Liebe Freundinnen und Freunde,
 
endlich wieder Kino, endlich wieder Filme auf der großen Leinwand! Gestern startete das Sommer-Special der Berlinale in den Freiluftkinos der Stadt. Mit dabei: „Das Mädchen und die Spinne“ von Ramon und Silvan Zürcher, der die Encounters-Sektion im Sommerkino am Kulturforum eröffnete. Neben den beiden Regisseuren (Silvan trägt weiß, Ramon rot) freuen sich (von links nach rechts) Produzentin Aline Schmid und die beiden Hauptdarstellerinnen Henriette Confurius und Liliane Amuat über eine wunderbare Deutschland-Premiere vor der Kulisse des sommerlich leuchtenden Potsdamer Platzes (Foto: Silje Paul).

Vor der Premiere haben Henriette und Liliane noch bei Knut Elstermann vorbeigeschaut und mit ihm über strenge Ordnung, die Magie am Filmset und die Arbeit mit achtbeinigen Filmtieren gesprochen. Das Interview kann man sich hier anhören.

Am 8. Juli startet „Das Mädchen und die Spinne“ in den Kinos.
Zeitgleich eröffnete „Glück“ im Freiluftkino Kreuzberg das diesjährige Panorama. Sektionsleiter Michael Stütz sprach vor dem Screening mit Adam Hoya (mitte) und Katharina Behrens, die in dem Film zwei Sexworkerinnen in Berlin spielen, die sich ineinander verlieben.

Regisseurin Henrika Kull konnte leider nicht bei der Premiere dabei sein, weil sie gerade in Israel für ihren neuen Film recherchiert. Im Neuen Deutschland kann man aber ein tolles Interview mit ihr nachlesen. Im Gespräch mit Inga Dreyer erzählt Henrika über Match-Casting, Freiheit am Set und den soziologischen Blick, mit dem sie sich dem Thema angenähert hat.

„Glück“ starten wir am 22. Juli im Kino.
Ein Punk-Friseur mit besonderen Vorlieben gabelt in einem Park einen jungen Skin auf, nimmt ihn mit nach Hause, badet ihn und sperrt ihn in sein Schlafzimmer ein. Dem Skin gelingt die Flucht ins Apartment seiner Schwester, die ihn sofort ihrerseits als Darsteller für einen lesbischen Undergroundfilm missbraucht. Reumütig kehrt der Skin zum Friseur zurück, um sich seine eigenen sexuellen Wünschen zu erfüllen.

Der erste, legendäre Film von Bruce LaBruce hat auch 30 Jahre nach seiner Urauffühung nichts von seiner lustvollen Kraft verloren. „No Skin Off My Ass“ gilt als radikaler Vorläufer des New Queer Cinema und widerspricht politisch und ästhetisch jeder Hetero-Norm. „Bruce LaBruce gelingt in seinem Film von 1991 das Kunststück, den Skin in ein Objekt von schwulem Camp zu verwandeln“, analysiert Peter Rehberg in seiner sissy-Rezension. „In seiner Aneignung der Figur sorgen Witz, Sexualisierung und Melodrama dafür, dass das Zeichen ‚Skin‘ seinen Halt verliert.“ Ab sofort ist der Film in digital restaurierter Fassung im Salzgeber Club zu sehen.

Inspiriert von Fellinis Klassiker „8 ½“ reflektiert Bruce LaBruce in seinem zweiten Spielfilm „Super 8 ½“ aus dem Jahr 1994 semi-autobiographisch den tiefen Fall eines selbstdestruktiven Porno-Auteurs. Randvoll mit Verweisen auf die etablierte und weniger etablierte Filmgeschichte geht sein Film immer wieder bis dicht an die Grenze des guten Geschmacks – und darüber hinaus. Das lustvoll selbstreflexive Biopic ist aber auch eine wüste Parade von Punk- und Underground-Stars wie Vaginal Davis, Ben Weasel und Richard Kern. Den Klassiker des queeren Kinos gibt es ab 17. Juni im Salzgeber Club – natürlich ebenfalls digital restauriert.
Und dann ...
 
... wurde gestern Abend auch noch „Räuberhände“, die Verfilmung des preisgekrönten Jugendromans von Finn-Ole Heinrich, auf dem Vision Kino Kongress vorgestellt. Nach dem exklusiven Online-Screening des Films für das medienpädagogische Fachpublikum unterhielten sich Regisseur İlker Çatak, die beiden Hauptdarsteller Emil von Schönfels und Mekyas Mulugeta sowie die Drehbuch-Co-Autorin und Produzentin Gabriele Simon mit Vision-Kino-Chef Leopold Grün. Das tolle Filmgespräch, u.a. auch über den Sinn der FSK-16-Freigabe, kann man sich hier ansehen.

„Räuberhände“ startet am 2. September bundesweit in den Kinos. Schon jetzt steht ein umfangreiches Filmheft mit 23 Arbeitsblättern für den Unterricht inkl. Hinweisen für den Onlineunterricht zur Verfügung. Für alle Lehrer*innen, die den schulischen Einsatz des wunderbaren Coming-of-Age-Films schon mal vorbereiten wollen ...
Euch alles, alles Gute und Liebe aus der Prinzessinnenstraße!

Stay safe ...
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