
ein Film von Joscha Douma
Deutschland/Österreich 2025, 98 Minuten, deutsche Originalfassung
Kinostart: 18. Juni 2026
FSK 12
Die Zukunft ist da und verspricht eine schöne, neue Welt: Fremdsprachen lassen sich in Sekundenschnelle lernen, Fachwissen einfach uploaden und virtuelle Rauscherlebnisse eröffnen neue Horizonte. Möglich machen das Anschlüsse am Kopf, über die sich menschliche Gehirne direkt mit Computern und sogar anderen Gehirnen verbinden lassen. Eine anarchistische Hacker-Truppe probiert das alles lustvoll aus – nur die kritische Mona (Naemi Florez) ist strikt gegen die neue Technologie. Doch als ihr Freund Milo (Jannik Schümann) in ein neurotechnisches Koma fällt, hat nur Mona den Mut, sich Brainbugs oder Mental Malware auszusetzen. Denn um Milo zu retten, muss sie selbst in seinen Kopf reisen.
Welchen Preis sind wir bereit, für die Zukunft zu zahlen? Und wenn Mensch und Technik eins werden – wer hat dann die Kontrolle? In „Cyberpunk Romance“ erzählt Regisseur Joscha Douma von einem technisierten Kontrollverlust, dessen erste Anzeichen sich heute schon in unserer Welt manifestieren. Ein ungebremst leidenschaftlicher Film in flackerndem Neonlicht, der in einer Welt von Big-Tech-Unternehmen, Deep-Brain-Stimulation und künstlicher Intelligenz die letzten Reste der Menschlichkeit sucht.
Wie wohl die meisten Menschen habe ich in meinem Leben schon oft Momente erlebt, in denen meine Gedanken und auch mein Handeln von meinen Gefühlen übermannt wurden: Liebeskummer, Wut, Angst. Als ob in mir ein unzähmbarer Dämon haust, der bisweilen von mir Besitz ergreift. Wie beängstigend: Unsere Psyche mit all ihren Träumen und Emotionen entzieht sich weitgehend unserer Kontrolle
Doch das ändert sich gerade: Brain-Computer-Interfaces (BCI) geben uns schon jetzt die Möglichkeit, Geräte per Gedanken zu steuern, Depressionen abzuschalten (Deep Brain Stimulation), oder Träume zu visualisieren. Die emotionalen Kontrollverluste könnten mir zukünftig erspart bleiben. Vielleicht wird mir eine KI, die viel vernünftiger und klüger ist als ich selbst, helfen, die richtigen Entscheidungen zu treffen.
Allerdings haben auch Tech-Giganten wie Google, Neuralink und Meta das riesige ökonomische Potenzial entdeckt, das in BCI steckt. Prof. Thorsten Zander, einer der führenden Forscher auf diesem Feld, sagte mir, dass im Schatten des Hypes um KI längst Milliarden von Dollars darin investiert werden. Er prognostiziert, dass in spätestens 25 Jahren die Menschen der westlichen Welt ebenso selbstverständlich einen Chip im Kopf haben werden, wie sie heute ihre Smartphones benutzen. Dann werden wir unser gesamtes unbewusstes Gedächtnis auslesen, ruckzuck neue Sprachen lernen oder sogar mehrere Gehirne miteinander vernetzen und vieles, vieles mehr können. Aber zu welchem Preis?
Schon heute nehmen die Big Tech Companies durch ihre Geräte massiven Einfluss: darauf, welche Informationen uns erreichen; wovor wir Angst haben; wonach wir streben. Mit einem unmittelbaren Zugriff auf unsere neuronalen Prozesse wüchse ihre Macht ins Unermessliche. Sie könnten kontrollieren, was wir wahrnehmen, woran wir uns erinnern und sogar, was wir fühlen.
Das ist nicht bloß eine weit entfernte Dystopie, sondern eine ganz reale Gefahr, vor der bereits jetzt renommierte Forscher und deutsche Bundesbehörden dringend warnen: Wir müssen heute die richtigen politischen Entscheidungen zur Regulierung dieser Technologien treffen, sonst droht uns morgen eine psychologische und soziologische Katastrophe.
Mir macht das fürchterlich Angst. Erneut geht es um Kontrollverlust. Allerdings wäre dann weder ich selbst noch mein Dämon Herr in meinem Kopf – sondern Leute wie Mark Zuckerberg oder Elon Musk. Plötzlich erscheint mir die Unkontrollierbarkeit meines Dämons als dass viel geringere Übel. Im Rückblick bin ich froh, alle Entscheidungen – die richtigen, wie falschen – selbst getroffen zu haben. Es würde sich sonst anfühlen, als hätte jemand anderes mein Leben gelebt. Zum Glück bin ich bisher ich selbst geblieben. Aber das kann sich ja noch ändern.
Über diese äußerst beunruhigende Möglichkeit haben wir einen Film gemacht.
JOSCHA DOUMA (Regie) wurde 1975 im Ruhrgebiet geboren und wuchs im Münsterland auf. Abitur, Zivildienst und ein Volontariat am Institut für Neue Medien absolvierte er in Rostock. Dann studierte er Kulturwissenschaften an der Uni Hildesheim mit einem Schwerpunkt auf Literatur, Theater, Medien und Philosophie. Es folgten erste literarische und filmische Gehversuche. Danach ein Regiestudium an der Filmakademie Baden-Württemberg. In dieser Zeit arbeitete er in allen möglichen Anstellungen vom Nachtwächter bis zum Lektor. Später lehrte er Stoffentwicklung und Kreatives Schreiben, sowohl an der Filmakademie, als auch im Ausland. Als Autor begann er unter dem Namen Belo Schwarz zu veröffentlichen.
Filmografie als Regisseur (Auswahl)
2003
„Zwölf ½ Minuten“ (KF)
2008
„Vom Besten aller Menschen“ (Dok.)
2014
„Erledigung einer Sache“ (KF)
2017
„Die besonderen Fähigkeiten des Herrn Mahler“ (KF)
2019
„Jemand und Niemand“ (KF)
2025
„Cyberpunk Romance“
NAEMI FLOREZ (Mona) wurde 1993 in Oelsnitz geboren. Ab 2017 studierte sie an der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ in Leipzig. In dieser Zeit spielte sie am Neuen Theater Halle. 2022 war Naemi Florez Teil des Casts der RTL+-Serie „Haus der Träume“. Für ihre Leistung wurde sie für einen New Faces Award nominiert. „Cyberpunk Romance“ ist ihr erster Spielfilm.
JANNIK SCHÜMANN (Milo) wurde 1992 in Hamburg geboren, wo er bereits als Kind in der Rolle des kleinen Amadé für das Musical „Mozart“ gecastet wurde. Folgend spielte er in vielen weiteren Musicals mit, sowie in Nebenrollen in Fernsehproduktionen. Bis 2010 besuchte er die New Talent Schauspielschule in Hamburg. Nach prägnanten darstellerischen Leistungen als Nebendarsteller in Filmen, wie „Mittlere Reife“, „Homevideo“ oder „Barbara“, spielte er 2013 in Gregor Schnitzlers „Spielbetrieb“ erstmals eine Kinohauptrolle. 2019 war er an der Seite Keira Knightley in „Niemandsland – The Aftermath“ erstmals in einem Hollywood-Film zu sehen. 2021 outete sich Jannik Schümann gemeinsam mit 185 anderen queeren deutschen Schauspieler:innen als Teil der Kampagne ActOut. Schümann ist ebenfalls als Synchron- und Hörspielsprecher tätig, unter anderem für die Drei ??? in der Rolle des Justus Jonas.
Regie
Joscha Douma
Buch
Belo Schwarz
Kamera
Sebastian Thaler
Ton
Steffen Graubaum
Schnitt
Melisa Krasniqi
Musik
Bamdad Afshar
Licht
Stefan Gauss
Szenenbild
Christian Strang
Kostüm
Nuria Heyck
Maske
Heidi Wick, Lydia Geißler
SFX Maske
Jörn Seifert (Twilight Creations)
VFX Produktion
Stina McNicholas
Casting
Stephanie Maile, Karl Schirnhofer
Koproduzent:innen
Veit Heiduschka, Julia Heiduschka, Christian Bachmann
Produzent
Rüdiger Heinze, Stefan Sportbert
Mona
Naemi Florez
Milo
Jannik Schümann
Kosmo
Thomas Mraz
Jules
Paula Hans
Elisa
Eleonore Weisgerber
Luzie
Anna Wagner
Ian
Nicklas Kingo
Toto
Valentin Hagg
Eine Produktion von Zum Goldenen Lamm Filmproduktion, Wega Film
in Koproduktion mit SWR, WDR, BR
in Zusammenarbeit mit Arte
mit Unterstützung von MFG Baden-Württemberg, ÖFI+, BKM, Land Salzburg
Im Verleih von Salzgeber