Flamingo Island

von Zach Lynch

Hardcover, 24 cm × 32 cm, 176 Seiten, ca. 110 Abbildungen, Texte auf Deutsch und Englisch

Zum Buch im Salzgeber.Shop

Flamingo Island

Willkommen im Universum von Zach Lynch! Anderthalb Jahrzehnte hat der amerikanische Digital Artist an seiner Vision des schwulen Utopias „Flamingo Island“ gefeilt. Im Zentrum des hyperrealen Bilderrausches stehen schöne Männer, die nichts und niemandem gehorchen außer der eigenen Lust. Lynchs Bilder sind ein Feuerwerk aus Farben, Stimmungen, nackten Körpern und sinnlichen Momentaufnahmen – und ein Musterbeispiel für die Erotik der Vorstellungskraft. Indem Zach Lynch uns seine Fantasien offenbart, stößt er die Tür zu unseren eigenen auf.
Flamingo Island forever!

Welcome to Zach Lynch‘s universe! The American digital artist spent over a decade developing and refining his gay utopia, „Flamingo Island“. At the center of his hyperreal pictorial fantasy world are beautiful men who will obey nothing and no one besides their own desires. Lynch‘s images are an explosion of color, moods, naked bodies and exquisite moments: a veritable how-to of the erotic imagination. By revealing his own fantasies, Zach Lynch opens wide the door to ours.
Flamingo Island forever!

Artist's Statement
Zach Lynch über „Flamingo Island“

Eigentlich unglaublich, dass du das hier jetzt liest. Dass dieses Buch jetzt vor dir liegt, dass aus alledem ein Buch geworden ist. Ganz unverhofft und, wenn ich ehrlich bin, unverdient – eine glückliche Fügung.

Ich habe Flamingo Island vor fünfzehn Jahren entdeckt. Schwer zu sagen, wie lang ich da schon suchte, nach meinem eigenen kleinen Paradies, und was diesen Wunsch in mir geweckt hatte. Ein Videospiel? Eine längst verblichene Website? Eine Ausstellung moderner Kunst, irgendwo in San Francisco, meiner Heimatstadt? Wie auch immer: Das Feuer war entfacht, ich hatte meine Mission gefunden.

Zu Beginn meiner Suche hätte ich nie gedacht, dass dieser Ort einmal allen offenstehen würde. Das sollte meine geheime Welt sein, ein Paradies nur für mich allein. Meine erste Begegnung mit Flamingo Island: eine schlecht ausgeleuchtete, irgendwie grobkörnige und sehr leere Welt. Und die Jungs, als sie dann eintrafen, lächelten bestenfalls roboterhaft, wie aus Plastik. Doch ich wusste, sie wollten mehr, genau wie ich. Und die Insel wuchs. In manchen Jahren wuchs sie rasant, dann wieder stockte alles, manchmal jahrelang. Doch jetzt, fünfzehn Jahre später, kann ich Flamingo Island in deine Hände legen: meine lichte, sonnendurchflutete Welt, um die ich mich so fürsorglich gekümmert habe. Sei gut zu ihr, und sag’s nicht jedem. Flamingo Island, geborgen in den Tiefen einer Welt aus Nullen und Einsen, an einem Ort, der auf keiner Karte verzeichnet ist. Den man nur findet, wenn man die richtige Sprache spricht und sich auskennt. Doch du kannst ihn finden. Wenn du weißt, wo du suchen musst.

Ich wollte also ein Universum erschaffen, eine Insel. Und um eine Insel zu erschaffen, braucht man die richtigen Tools. Glücklicherweise wimmelt die Welt der Einsen und Nullen von Händlern, die genau diese Tools anbieten, Werkzeuge, mit denen man Kunst aus dem Nichts erschaffen kann. Ich verbrachte Stunden damit, ihre Shops zu durchforsten, und vom Handelsüblichen bis zum Abseitigen war alles dabei. Doch zeigte sich bald, welche Händler wirklich Talent und das im Angebot hatten, was ich für mein Universum brauchte – ein Universum, das vor meinem inneren Auge mehr und mehr Gestalt annahm. Auf manche Händler kam ich immer wieder zurück, die Gespräche mit ihnen machten mir Mut. Ohne ihr Talent würde es diese Insel nicht geben, und ihnen allen bin ich zu Dank verpflichtet, nicht zuletzt für die Zeit, die sie mir geschenkt haben.

Lange sah ich mich nicht als Künstler. Denn was immer ich da tat, wie Kunst fühlte es sich nicht an. Das Licht war falsch, die Jungs glanzlos und matt – mein trostloses Universum, vollgestopft mit Zeug, das zwar mir gehörte, doch war ich hier nur der Arrangeur, nichts davon hatte ich selbst geschaffen. Dazu fehlte es mir an Talent. Dabei wusste ich, als früherer Fotograf, mehr über Licht als andere, kannte mich aus mit Posen, Gestik, Mimik – und mit Menschen.

Der technische Fortschritt kam auch nach Flamingo Island: besseres Licht, bessere Farben und eine neue Generation Jungs, die nicht so steif wirkten. Doch zum Künstler reichte es immer noch nicht. Mehr als alle Jahre ein paar Bilder brachte ich nicht zustande. Bis mir eines Tages klar wurde: Kein Regisseur baut sich seine Kulissen selbst; der Set, dafür sind andere zuständig. Regisseure arbeiten mit Licht, Mienenspiel, Kameraeinstellungen und Storylines. Regisseure lassen ihre Geschichten von Schauspielern erzählen. Und für meinen Fall hieß das: Der Fotograf musste die richtigen Models finden. Das konnte ich. Und so geschah es. Ich stellte mir eine Welt zusammen und dann die Figuren, mit denen ich sie bevölkern wollte. Eins fügte sich ins andere, plötzlich machte alles Sinn – der Knoten war geplatzt.

Allnächtlich, nach den Scharmützeln und Waffenstillständen eines langen Arbeitstags, waren meine Träume erfüllt von den Visionen meines privaten „Anderswo“. Sonnenlicht, Schatten, die über Wände wandern – meine Welt war ein Film-Set und ich der Regisseur. Alles war, wie ich es wollte, Wände, Licht, Wasser … und der Flamingo. Und dann erschuf ich Figuren, die zu meinen Fantasien passten. Kein Wunder, dass mich Flamingo Island mehr und mehr gefangen nahm. Schon frühmorgens, noch bevor mein Tagewerk begann, saß ich vor dem Computer, sprach ein paar Wörter in der richtigen Sprache und … war zurück in meiner Traumwelt, tauchte ein in mein Universum, das sich rasend schnell ausdehnte, meine Inselkette, mein Archipel. Einsen und Nullen als Explosionen strahlender Farben und Gesichter. Träume, die dreidimensional Wirklichkeit wurden. Und ich als der unsichtbare Betrachter jenes Kunstwerks, das ich da unversehens geschaffen hatte.

Flamingo Island ist mein Lobgesang auf die Schönheit, meine Feier der Schönheit, ihrer flüchtigen Natur, einer Schönheit, die von uns Besitz ergreift, der Schönheit jener Traumwelten, in denen wir alle leben (oder doch so gerne leben würden), sobald wir die Augen schließen. Schönheit von Licht, Haut, Texturen, Farben – und vor allem von Geschichten. Flamingo Island ist meine Hommage an die Geschichten, die wir einander erzählen, und die Geschichten, die wir verschweigen, weil sie nur für uns bestimmt sind. Das Nebeneinander von unsichtbarer digitaler und sehr sichtbarer, wirklicher Welt. Alle meine Bilder gehen zurück auf Geschichten, die mich nicht losließen. Aus ihren Schlüsselmomenten formte ich Figuren, und diese Figuren landeten dann in einer Welt, die andere geschaffen haben.

So entstand aus den Versatzstücken, die ich bei meinen Händlern erstanden hatte, allmählich eine Welt. Eine Welt, die ich, ohne lange nachzudenken, „The Zach Lynch Universe“ taufte. Eine digitale Welt, zugegeben. Doch durch die Geschichten hinter den Bildern pulst das Leben. Und letztlich sind das deine und ihre Geschichten, nicht meine. Ein guter Künstler bleibt unsichtbar. Ein guter Künstler tritt von der Bühne ab und lässt die Kunst für sich selbst sprechen. Denn das ist Flamingo Island: eine Geschichte. Eine Geschichte, Dokument und Fiktion zugleich, aufgezeichnet von einem Künstler, der endlich sein Paradies gefunden hat. Ich schuf eine Welt, von der ich nicht wusste, dass ich nach ihr gesucht hatte. Vielleicht werde ich dir eines Tages all diese Geschichten erzählen. Aber bis dahin: Finde deine eigenen. Das ist interessanter.

Vielleicht bist du, wie ich, gelegentlich kurz davor, diese Welt mit der unsrigen zu verwechseln – wäre da nicht dieses eine, störende Detail. Vielleicht ist es ein Blick, mit dem etwas nicht stimmt, ein Knie, unnatürlich abgewinkelt, oder Schatten, die fallen, wie sie nicht fallen sollten. Es kann frustrierend sein, immer wieder darauf gestoßen zu werden, dass nichts an dieser Welt real ist. Ist das vielleicht der Grund, warum wir unsere Vorstellungskraft so schätzen? Doch Vorsicht: Wer sich ganz seiner Vorstellungskraft überlässt, wird sich irgendwann auch fragen, ob die Welt, in der wir leben, nicht in Wirklichkeit das Werk eines kosmischen Künstlers ist. Eine weitere Welt aus Nullen und Einsen, entworfen auf einem unendlich fortgeschrittenen, kosmischen Computer – in einem Universum, gigantischer als alles, was wir mit unseren Mitteln ermessen können. Und vielleicht fragst du dich, wie ich, dann auch, ob das Wesen, das unsere kosmische Insel geschaffen hat, für all das Licht bezahlen musste. Und warum er seine Schöpfung Erde genannt hat.

Und jetzt, während ich Abzüge von den Bildern mache, die ich aus ihrer Welt in unsere gebracht habe, erinnere ich mich an die ersten Anfänge meiner Insel von vor fünfzehn Jahren. Ein bisschen unbeholfen, ein bisschen sehr dunkel, irgendwie grobkörnig. Aber sie wächst und wird weiter wachsen.

Flamingo Island ist jetzt so groß, dass es sich nicht länger geheim halten lässt.
Und das ist gut so.

Also los, entdecke deine eigenen Geschichten!

Artist's Statement – ENGLISH
Zach Lynch on “Flamingo Island”

You’re not supposed to be reading this right now. I didn’t expect you to be holding this book in your hands. To be honest, all of this feels like a glorious mistake.

I found Flamingo Island fifteen years ago. I don’t remember when I first got the urge to go looking for my own private paradise. The inspiration might have come from a video game, some buried page on the internet, or racy “modern art” in my hometown San Francisco. But whatever it was, the passion was born, and I had my quest.

When I set out to find this place, I had no idea it would become the public thing it is now. It was my secret world. My own discovered paradise. When I first came across Flamingo Island, it was a poorly lit, somewhat grainy, and very empty world. When the guys finally arrived, their smiles were robotic … plastic at best. But they were enthusiastic, as was I. And the island grew. Some years it grew rapidly. Some years no progress was made. But now, fifteen years later, Flamingo Island, my carefully created sunlit world, rests in your hands. So be careful who you tell. Flamingo Island is buried deep in a world of ones and zeros. A place accessible only if you speak the right language and know your way around. It is absolutely off the map. But you can find it, if you know where to look.

So I set out to create a universe, an island. To create an island, you need tools. Luckily, the world of ones and zeros is full of merchants who have exactly the right tools to create art out of nothing. I spent hours perusing their shops, finding both usual and unusual items for sale. I quickly learned which merchants had the best wares, who were the most talented, and who sold the best items for the universe I saw behind my eyes when I fell asleep. I found myself coming back to these merchants repeatedly. I spoke with some of them. They were always encouraging. If not for the talents of these scores of amazing people, this island would never have come into being. I am deeply grateful to each of them for their time and talent.

For a long time, I didn’t feel like an artist, and nothing about what I did felt like art. The light was wrong, the guys were lackluster, and the universe felt bleak. I felt like an arranger. The things in my universe were mine, but I didn’t make them. I lacked the talent for that. But as an ex-photographer, I knew light better than anyone, I knew poses, I knew expressions … I knew people.

Just like my world, technology finally came to Flamingo Island. I found better light, I found better color. The new generation of guys that seemed more at ease with themselves. Still, I didn’t feel like an artist. And I’d average a couple of pictures a year. Then one day it hit me: a movie director doesn’t create the building the movie was filmed in. He manipulates light, expressions, angles, and storylines. He chooses the actors who can best tell his story. Someone else creates the set, and in this case, the photographer creates his models. That I could do. That’s what happened here. I arranged a world, and then created characters to fill it. Suddenly it all made sense, and I was off.

At night, after a long day of work truces and wars, I’d fall asleep with visions of my personal “somewhere else”. Sunlight and shadow creeping down walls. My world became a movie set and I became its director. I got to choose the walls, the light, the water … the flamingo. Then I created characters to fit my internal narrative. Naturally, Flamingo Island became a bit of an obsession. And in the morning, before the grueling day began, I’d sit at my computer, speak the right language, and suddenly, I was back in my dreamworld, immersed in an island chain somewhere in a rapidly expanding universe. Ones and zeros in a burst of color and smiles. My dreams exploded into a 3D universe. I became an invisible observer of the art I’d inadvertently created.

Flamingo Island, as a work of art, is my tribute to beauty. To our obsession with it, to its fleeting nature, and to the beauty of the imaginary world we all live in (or want to live in) when we close our eyes. To the beauty of light, skin, textures, colors, and most of all stories. It’s my tribute to the stories we tell each other, and the private stories we tell ourselves. The juxtaposition of an invisible digital world and a very visible real one. Each picture started out as a story in my head. From that story I picked a pivotal moment. From that moment I created a character. And that character ended up in a world created by others.

I found myself creating a world with the pieces that I had bought. Slowly a world evolved. A world I accidentally dubbed “The Zach Lynch Universe”. The world might be digital, but the story behind each picture is very organic. Nevertheless, at the end of the day, the stories are yours and theirs, not mine. Because a good artist is invisible. A good artist gets out of the way and lets the art tell its own story. And Flamingo Island is above all a story. A story both created and documented by an artist who ultimately found his own paradise. I created the world I didn’t know I was looking for. Maybe someday I’ll tell you all the stories here. But until then, find your own. It’s more interesting.

Maybe, like me, you’ll get carried away for a minute and think all of this happened in our world. But then something will seem odd. Perhaps a glance is slightly off, a twist of a knee doesn’t seem natural, or the shadows seem peculiar. It’s jarring to keep being reminded that none of this world is real. Maybe that’s why we treasure our imagination. Be careful though. Too much imagination, and you’ll find yourself wondering if the world we live in is, in fact, a hyper-advanced world of ones and zeros resting in a cosmic computer on the desk of a cosmic artist who lives in a universe far vaster than we can imagine. Maybe, like me, you’ll wonder if the Being that created our cosmic island paid for the light, and why he named his creation Earth.

And as I pull the pictures I’ve taken from their world to ours, I remember how my island began 15 years ago. A little awkward, more than a little dark, and somewhat grainy. But it’s growing, and it will continue to grow. Flamingo Island has now grown so large that I can no longer keep it a secret.

I’m okay with that.

So go and find your own stories.

BIOGRAFIE

Zach Lynch ist ein amerikanischer Digital Artist. Er lebt mit seinem Hund am Ufer des Lake Tahoe. Die kalifornischen Berge, das Licht der Sonne, Schnee und blaues Wasser inspirieren ihn zu seiner Arbeit. Die fotorealistischen Kreationen des selbsternannten „Ex-Profifotografen“ sind optimistisch, oft humorvoll, manchmal auch satirisch. Jedes seiner Bilder gewährt einen Einblick ins „Zach Lynch-Universum“, ein sonnendurchfluteter Ort voller lächelnder Freunde, die nur darauf warten, ihre Geschichten zu offenbaren.

Zach Lynch is a digital artist who lives with his dog on the shore of Lake Tahoe, California. Mountains, sunlight, snow, and blue water provide inspiration for his creations. A self proclaimed „ex-professional photographer“, Zach’s photorealistic work is optimistic, often humorous, and somewhat satirical. Each image is a glimpse into the „Zach Lynch Universe“, a cheerful place full of sunlight, smiles, and friends with stories to tell.

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