
ein Film von Marie Wilke
Deutschland 2026, 90 Minuten, deutsche Originalfassung
Soldaten trainieren den Häuserkampf in der größten militärischen Übungsstadt Europas – mitten in Deutschland. Junge Rekruten besichtigen Granaten aus dem Zweiten Weltkrieg. Touristen probieren Waffen aus. Ein Schützengraben wird gebaut. Vergangenheit und Zukunft des Krieges prallen auf einem deutschen Truppenübungsplatz aufeinander. Marie Wilke drehte den Dokumentarfilm „Szenario“ während des Jahrs 2024 auf dem Truppenübungsplatz Altmark in Sachsen-Anhalt. Dort befindet sich die zentrale Ausbildungsstätte des deutschen Heeres.
Das ganze Jahr über kommen Bataillone aus ganz Deutschland und auch aus anderen NATO-Ländern ins Gefechtsübungszentrum. Ihnen wird ein fiktives Kriegsszenario vermittelt, dann trainieren sie im Feld und in der Übungsstadt das Gefecht, mit Laserwaffen, Sensoren und Platzpatronen. „Szenario“ erzählt in fragmentarischen Szenen von einer Zeit des Umbruchs – und zeigt, wie mitten in Deutschland der Krieg geprobt wird. Der Film zeichnet ein Bild der Bundeswehr zwischen Umgang mit der Vergangenheit, hochmoderner Kriegssimulation und ungewisser Zukunft.
Der Ausgangspunkt von „Szenario“ war für mich der Truppenübungsplatz Altmark in Sachsen-Anhalt, den ich 2015 zum ersten Mal besucht habe. Auf diesem riesigen Gelände überlagern sich Schichten militärischer Vergangenheit und Gegenwart. In der Erde liegen bis heute deutsche und sowjetische Bomben, Granaten und Munition aus der Zeit des Nationalsozialismus und der sowjetischen Nutzung. Es gibt Bunkerruinen und verfallende Kasernen. Zugleich befinden sich hier die modernste militärische Übungsstadt Europas und das Gefechtsübungszentrum des deutschen Heeres. Täglich simulieren Soldat:innen hier in Übungen aktuelle oder mögliche zukünftige kriegerische Konflikte. Ein Jahr lang haben wir den Alltag auf dem Truppenübungsplatz Altmark mit der Kamera beobachtet.
Der Film versucht nicht, eine Aussage zu treffen oder eine Erzählung zu konstruieren. Der Film besteht aus Fragmenten, die Szenen stehen für sich. Mich hat interessiert, was in der Sprache der Menschen über das Verhältnis von Deutschland zum Krieg sichtbar wird. Laut Definition des Duden ist ein Szenario ein Modell der Abfolge von möglichen Ereignissen oder auch ein szenisch gegliederter Entwurf für einen Film oder eine Simulation. „Szenario“ wurde gedreht in einer Zeit des Umbruchs. In „Bilder der Welt und Inschrift des Krieges“ von Harun Farocki heißt es: „Der Krieg ist immer da, unter uns.“
Marie Wilke (Regie & Buch) wurde geboren in Berlin. Sie studierte an der Schule für Dokumentarfilm, Fernsehen und Neue Medien Zelig in Bozen (Italien) und absolvierte ein Studium der Experimentellen Mediengestaltung an der Universität der Künste Berlin. Marie Wilke arbeitet seit 2000 als Autorin, Regisseurin und Editorin von Dokumentarfilmen. Ihre Filme wurden auf internationalen Filmfestivals gezeigt und haben unter anderem den Preis der deutschen Filmkritik sowie die Carte Blanche des Landes NRW gewonnen. Sie ist außerdem als Dozentin für Regie und Stoffentwicklung an verschiedenen Filmschulen und Instituten tätig.
Filmografie:
2025
„Szenario“ (Kinodokumentarfilm)
2021
„Höllental“ (Dokumentarische Serie, 6 Episoden)
2018
„Aggregat“ (Kinodokumentarfilm)
2015
„Staatsdiener“ (Kinodokumentarfilm)
2005
„Berlin Eins Dunkel“ (Mittellanger Dokumentarfilm)
2000
„Mit Leib und Seele“ (Mittellanger Dokumentarfilm)
Mit
Angehörigen des Ausbildungsverbandes des Gefechtsübungszentrums Heer und vielen anderen
Regie & Buch
Marie Wilke
Kamera
Alexander Gheorghiu
Originalton
Uwe Bossenz, Anton Feist, Helge Haack
Schnitt
Jan Soldat, Marie Wilke
Kameraassistenz
Helge Haack, Christian Öhl
Schnittassistenz
Alexander Töchterle
Drohnenoperator
Andreas Haas
Herstellungsleitung
Tina Börner
Produktionsleitung
Marie Ahrendt, Prisca Beyer
Filmgeschäftsführung
Dominika Konsek
Redaktion
Antje Stamer (SWR), Thomas Beyer (MDR)
Produzent
Heino Deckert
Eine Produktion der Ma.ja.de Filmproduktion
in Koproduktion mit dem Südwestrundfunk und dem Mitteldeutschen Rundfunk
gefördert durch Der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Mitteldeutsche Medienförderung, Deutscher Filmfördersfonds