
ein Film von Sacha Amaral
Argentinien/Frankreich/Brasilien 2024, 94 Minuten, spanische Originalfassung mit deutschen Untertiteln
FSK 16
Schneller Sex, Drogen und Geld: Der 20-jährige Hustler Antonio hat einen magnetischen Charme, doch mit so etwas wie Liebe kann er wenig anfangen. Er nimmt sich ohne Rücksicht, was er will – steckt nach Sexdates die Wertsachen seiner Partner:innen ein und betrügt selbst seine beste Freundin um Geld. Dabei entwickelt er auch enge Beziehungen: Etwa mit der fast doppelt so alten Sonia, die ihm emotionalen Halt bietet – und mit dem Drogendealer José, der sein Ticket raus aus Buenos Aires sein könnte.
Elliptisch und sinnlich erzählt Sacha Amarals „The Pleasure is Mine“ von einem Getriebenen, der eine Zuneigung sucht, zu der er selbst vielleicht gar nicht fähig ist. Die anderen umkreisen ihn wie Planeten die Sonne, süchtig nach seiner Gunst, während er nur süchtig nach sich selbst ist. Was er wirklich will, weiß er auch er nicht – nur, dass es von allem mehr sein muss. Unmoralisch? Ja. Aber auch unwiderstehlich. Ein schonungsloses, verführerisches Regiedebüt von zügelloser Kraft.
Ich habe diese lebhafte Erinnerung an meine Mutter, die damals mit einem Mann zusammen war, 15 Jahre jünger als sie, und die mich, ihren 16-jährigen Sohn, dazu überredete, ihrem Freund auf der Arbeit und auf der Straße hinterherzulaufen, weil sie glaubte, er würde sie betrügen. Sie erzählte mir, dass er sie, als sie zusammen im Bett waren, bei einem anderen Namen genannt hatte (zuerst störte es mich, dass meine Mutter mir von ihren sexuellen, intimen Beziehungen erzählte, aber wie immer normalisierte ich ihr Verhalten, dass ich später als toxisch anerkannte). Ich willigte ein, ihr zu helfen. Als ich anfing, ihren Freund auszuspionieren, fand ich heraus, dass er nicht nur eine Geliebte hatte, sondern gleich zwei. Als meine Mutter mich nach den Ergebnissen meiner Detektivarbeit fragte, erinnere ich mich, dass ich mich zum ersten Mal in unserem gemeinsamen Leben stärker als sie fühlte, mächtiger. Ich sah ihr direkt in die Augen und sagte ihr, ich hätte nichts herausfinden können. Ich sagte ihr, dass es meinen Recherchen zufolge keine Geliebte gäbe und dass ihre Verdächtigungen auf ihrer eigenen Paranoia beruhen würden. Meine Mutter schien sehr glücklich über die Nachricht zu sein und fragte mich (als wäre es das Normalste der Welt), ob ich bei einem Freund übernachten könnte, da sie die ganze Wohnung für sich und ihren Freund haben wollte. In dieser Nacht schlief ich auf einer Parkbank ein. Diese seltsam lyrische Sequenz trägt eine Dunkelheit in sich, die man normalerweise nicht mit einer typischen Familiengeschichte in Verbindung bringt; doch in jeder Familie gibt es Geschichten, die so seltsam sind wie meine – manche davon können düsterer oder leichter sein – und oft unterschätzt oder übersehen werden, weil die Akteure Kinder sind.
ANTONIO (20 Jahre alt), mein Protagonist, lebt sein Leben, ohne genau zu wissen, was mit ihm geschieht. Er ist orientierungs- und ziellos. Er verbringt seine Tage, ohne etwas zu hinterfragen. In seiner Geschichte wirken familiäre Konflikte und Verletzungen wie eine kaum wahrnehmbare Erosion, die sich im Laufe der Handlung immer deutlicher abzeichnet, bis hin zum finalen Höhepunkt, der es ermöglicht, einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen – so, als wäre das Ende in Wirklichkeit der Anfang.
SACHA AMARAL (Regie & Buch, Koproduzent) ist ein brasilianischer Drehbuchautor und Regisseur, wohnhaft in Argentinien. Er hält einen Abschluss der Nationalen Kunstuniversität Buenos Aires, an der er als Dozent im Fachbereich Dramaturgie angestellt ist.
Der erste Spielfilm, bei dem er als Drehbuchautor mitgewirkt hat, „So Long Enthusiasm“ lief 2017 auf der Berlinale und gewann beim Internationalen Filmestival Cartagena sowie beim Internationalen Filmfestival für Independent-Filme Buenos Aires den Hauptpreis im Wettbewerb. Ab 2019 veröffentlichte er eigene Kurzfilme, die auf internationalen Filmfestivals gezeigt wurden, wie „Billy Boy“, der 2021 in Cannes Premiere feierte. „The Pleasure is Mine“ ist sein erster Langfilm.
Regie & Buch
Sacha Amaral
Kamera
Pedro Knoll
Schnitt
Florencia Gómez García, Mauricio Escobar Durán
Ton
Marcos Zoppi, Emiliano Biaiñ
Musik
José Vicente Orozco
Szenenbild
Sol González
Produzent
Agustín Gagliardi
Koproduzent:innen
Franck Thoraval, Ricardo Galeano, Romain Bent, Eugenia Campos Guevera, Sacha Amaral
Antonio
Max Suen
Viviana
Katja Alemann
Tino
Vladimir Durán
Lu
Sofía Palomino
Paco
Paco Onainty
Sonia
Anabella Bacigalupo
Valentín
Julián Larquier Tellarini
Max
Luciano Suardi
José
José Vicente Orozco
Isabella
Belén Datwiller
Iair
Iair Said
Ramona
Ivana Zacharsky
Amante
Iván Haidar
Eine Produktion von Gentil Cine
in Koproduktion mit Hipo Films, Protest Studios, Quadrophenia Films
im Verleih von Salzgeber