Ab 1. Juli im Kino

Beyto

ein Film von Gitta Gsell

Schweiz 2020, 98 Minuten, Originalfassung auf Schweizerdeutsch und in Türkisch, teilweise mit deutschen Untertiteln

mit Burak Ates, Dimitri Stapfer, Ecem Aydin u.a.

Beyto

Beyto ist ein fantastischer Schwimmer und cooler Kumpel. Doch als sich der junge Schweizer mit türkischen Wurzeln in seinen attraktiven Trainer Mike verliebt, gerät seine heile Welt durcheinander. Um Tradition und Ehre zu wahren, sehen Beytos Eltern nur einen Ausweg: Ihr Sohn muss so schnell wie möglich eine Frau heiraten! Mit einem Vorwand locken sie ihn in ihr türkisches Heimatdorf und organisieren eine Hochzeit mit Seher, Beytos Freundin aus Kindertagen. Plötzlich befindet sich der junge Mann in einer Dreiecksbeziehung, die ihn zu zerreißen droht: Wie kann er zu Mike stehen, ohne Seher die Zukunft zu rauben?

Voller Empathie und sommerlicher Sinnlichkeit erzählt die Schweizer Regisseurin Gitta Gsell in „Beyto“, basierend auf dem Roman „Hochzeitsflug“ des preisgekrönten Autors Yusuf Yesilöz, eine multikulturelle Liebes- und Emanzipationsgeschichte. Neben dem Schweizer-Filmpreis-Träger Dimitri Stapfer glänzen die beiden Entdeckungen Burak Ates und Ecem Aydin in ihren ersten Kinorollen.

Interview
Vier Fragen an Gitta Gsell

Sie haben sich mit „Beyto“ ein heikles Thema vorgeknöpft: Ein junger Mann, Sohn türkischer Einwanderer, gerät in Konflikt mit seiner Familie, weil er schwul ist. Wieso diese Thematik?

Als ich das Buch „Hochzeitsflug“ meines langjährigen Freundes Yusuf Yesiloz las, wurde mir schnell klar, dass diese Geschichte ein toller Filmstoff ist. Die Thematik ist brandaktuell: Menschen „im Sandwich“ zwischen verschiedenen Kulturen. Zudem sind die Figuren sehr gut angelegt, denn alle sind in ihrem Tun verständlich. Man kann das Handeln der eingewanderten Eltern nachvollziehen, die sich nicht so schnell an eine neue Kultur anpassen können. Gleichzeitig versteht man aber auch den Sohn Beyto, der in der Schweiz aufgewachsen ist, eine völlig andere Kultur kennengelernt hat und selbst bestimmen möchte, mit wem er sein Leben verbringt.

Beyto wird von Burak Ates gespielt, einem jungen Laienschauspieler. Warum haben Sie die Hauptrolle mit einem Laien besetzt?

Im professionellen Umfeld ließ sich schlichtweg niemand finden, der den Rollenanforderungen entsprochen hätte. Wir suchten nach einem jungen Mann, der in der Schweiz aufgewachsen ist, aber auch die türkische Kultur verinnerlicht hat und somit den Konflikt nachvollziehen kann. Er musste Türkisch und Schweizerdeutsch sprechen können, weil ich den Film unbedingt in der Schweiz ansiedeln wollte. Hinzu kommt die Thematik. Viele, die wir gecastet haben, lehnten ab, als sie erfuhren, dass ein schwuler junger Mann verkörpert werden soll. Das taten sie nicht, weil sie selber ein Problem mit Homosexualität gehabt hätten, sondern weil sie sich vor der Reaktion ihrer Eltern oder anderen Familienmitgliedern fürchteten.

Im Film fliegt Beyto mit seinen Eltern in die Türkei, weil angeblich die kranke Großmutter besucht werden soll. Tatsächlich aber verheiraten ihn seine Eltern vor Ort. Wie verliefen die Dreharbeiten im kleinen türkischen Dorf?

Ganz fantastisch. Die Türkei verfügt über eine große, professionelle Filmindustrie und unser türkischer Serviceproduzent hat uns eine sehr gute Film-Crew zusammengestellt. Darüber hinaus ist die Gegend dort wahnsinnig filmogen. Allerdings konnten wir den Dorfbewohnern nicht erzählen, um was es wirklich geht im Film.

Es ist schwierig, Beytos Geschichte zur erzählen und dabei eine Kultur, in der Homosexualität verpönt ist, nicht als rückständig zu brandmarken. Wie sind Sie mit dieser Gefahr umgegangen?

Das war tatsächlich eine Gratwanderung, denn selbstverständlich liegt es mir absolut fern, eine Kultur zu verurteilen. Gleichzeitig darf die Problematik aber auch nicht verschwiegen werden. Mir war es wichtig aufzuzeigen, dass nicht nur Beyto und die Generation der Kinder unter der Situation leiden, sondern dass sich auch die Eltern im Clinch befinden. Im Verlauf der Geschichte beginnen sie, ihren Sohn besser zu verstehen. Gleichzeitig droht ihnen der Ausschluss aus der Community, wenn nicht nach alten Traditionen gelebt wird. Ein Teufelskreis. Und zwar für alle. Denn alle stehen irgendwie unter Zugszwang.

Biografien

Gitta Gsell (Buch & Regie) wurde 1953 in Zürich geboren. Seit 1977 Buch und Regie für Theater und Performances. 1977-79 Besuch der F+F, Schule für Experimentelle Gestaltung, Zürich. 1979-89 wohnhaft in New York. 1980-82 School of Visual Arts, New York, Bachelor of Fine Arts. Seit 1981 Drehbuch und Regie für Filme und Videos. 1982-84 Hunter College, New York, Master of Fine Arts in Combined Media. Sie lebt seit 1990 in Zürich.

  • 1987

    „Don’t Stand on the Ocean“

  • 1997

    „Propellerblume“

  • 2002

    „Lilo & Fredi“ (TV)

  • 2002

    „Irene Schweizer – Jazzpianistin“ (Dok.)

  • 2003

    „augen blicke N“ (Dok.)

  • 2007

    „Bödälä – Dance the Rhythym“ (Dok.)

  • 2011

    „Karambolage – Die Welt des Arnold Odermatt“ (TV-Dok.)

  • 2015

    „Catch a Glimpse“ (Videoinstallation)

  • 2016

    „Melody of Noise“ (Dok.)

  • 2020

    „Beyto“

Burak Ates (Beyto) wurde 1994 in Solothurn geboren. Er ist ausgebildeter Produktionsmechaniker und betreibt in seiner Freizeit CrossFit auf professionellem Niveau. Zurzeit absolviert Burak Ates die Ausbildung zum Schauspieler an der Filmschauspielschule Zürich filmZ. In „Beyto“ feiert er sein Debüt als Hauptdarsteller in einem Kinofilm.

Dimitri Stapfer (Mike) wurde 1988 in Olten geboren. Mit 13 Jahren war er als Artist und Schauspieler für zwei Saisons mit dem Zirkus Chnopf auf Schweizer Tournee. Anschließend hatte er die Möglichkeit, am Theater am Neumarkt im Stück „Lieber 99 falsche Tode als 9 Stunden falsches Leben“ zu spielen. Parallel zu seiner Ausbildung zum Buchhändler debütierte er am Jungen Theater Solothurn. Nach dem Lehrabschluss begann er 2009 das Schauspielstudium an der ZHdK, das er im Sommer 2014 mit dem Master abschloss. Er war u.a. in „La Regina da Saba“ auf dem Julierpass am Origen Festival sowie in der preisgekrönten Abschlussinszenierung „Die Bluthochzeit“ zu sehen. Im Jahr 2014 wurde er für „Left Foot Right Foot“ mit dem Schweizer Filmpreis für die beste Darstellung in einer Nebenrolle ausgezeichnet.

Ecem Aydin (Seher) wurde 1996 in der Türkei geboren. Im Jahr 2014 begann sie ihr Bachelorstudium in Theater an der Bilkent Universität in Ankara, das sie im 2019 erfolgreich abschließen konnte. Während ihrer Studienzeit besuchte sie viele Workshops und konnte Erfahrungen in Theater und Tanz sammeln.

Das Buch & der Autor
„Hochzeitsflug“ von Yusuf Yeşilöz

Als Beyto mit seinen Eltern das Flugzeug besteigt, um seine Verwandten im tscherkessischen Dorf in der Türkei zu besuchen, freut er sich, die Freunde aus der Kindheit wiederzusehen, obwohl ihm die Trennung von seinem heimlichen Geliebten Manuel nicht leichtfällt. Umso grösser ist sein Schock, als er überraschend mit seiner Cousine Sahar verheiratet wird. Völlig alleingelassen, stürzt Beyto in einen Strudel von Gefühlen. Die große Wut auf die Eltern lässt ihn jede Ehrfurcht vor ihnen vergessen, die kindliche Zuneigung zu Sahar, die er nie verloren hat, verwirrt ihn, die Angst, Manuel gegenüberzutreten, lähmt ihn. Beyto, selber noch fast ein Kind, erfährt einzig von seiner Lehrlingsbetreuerin Tania Unterstützung, und weg vom Dorf im Osten und von der Stadt im Westen, wo er seit vielen Jahren lebt, findet er langsam wieder etwas Halt.

Ironisch und humorvoll nimmt Yusuf Yesilöz die Leserinnen und Leser mit in eine reiche Welt voller Geschichten, die in einem schmerzhaften Widerspruch steht zur großen Einsamkeit des jungen Beyto.

Yusuf Yeşilöz, geboren 1964 in einem kurdischen Dorf in Mittelanatolien, kam 1987 in die Schweiz. Heute lebt er mit seiner Familie in Winterthur und arbeitet als freier Autor, Übersetzer und Filmemacher. Seine Bücher wurden mehrfach ausgezeichnet und in mehrere Sprachen übersetzt.

Credits

Cast

Beyto

Burak Ates

Mike

Dimitri Stapfer

Seher

Ecem Aydin

Narin

Beren Tuna

Seyit

Serkan Tastemur

Metin

Zeki Bulgurcu

Jakub

Müjdat Albak

Nina

Délia Antonio

Tania

Danijela Milijic

Fatma

Zeynep Sanli

Ceylan

Ebru Koyun

Memdoh

Mustafa Basalan

Crew

Buch & Regie

Gitta Gsell

Kamera

Peter Guyer

Schnitt

Bernhard Lehner

Musik

Ben Jeger

Kostümbild

Leonie Zykan

Maskenbild

Jean Cotter

Tongestaltung & Tonschnitt

Tobias Koch, Peter von Siebenthal

Tonmeister

Balthasar Jucker

Chefbeleuchter

Salvatore Piazzitta

Casting

Corinna Glaus Casting (Corinna Glaus & Nora Leibundgut), Gitta Gsell

Produzenten

Magdalena Welter, Louis Mataré, David Fonjallaz

Koproduzent

Peter Zwierko

Line Producer Service (Türkei)

Gaya Film

Line Producer (Türkei)

Emrah Gamsızoğlu

Production Manager (Türkei)

Harun Özübelli

Location Manager (Türkei)

Arif Günalp

Costume Designer (Türkei)

Melis Gamsızoğlu

Art Director (Türkei)

Veli Kahraman

Make-up (Türkei)

Funda Boldurmaz

eine Produktion von Lomotion AG
in Koproduktion mit Sulaco Film GmbH
mit Unterstützung von Bundesamt für Kultur (BAK), Berner Filmförderung, Fachausschuss Film und Medienkusnt BS/BL, Kulturfonds SUISSIMAGE, Zürcher Filmstiftung, Succès passage antenne, SRG SSR, Migros-Kulturprozent, SoKultur, Focal Stage Pool, Burgergemeinde Bern, FONDATION SUISA

im Verleih von Salzgeber