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Sauvage

ein Film von Camille Vidal-Naquet

Frankreich 2018, 99 Minuten, französische Originalfassung mit deutschen Untertiteln

FSK 16

Kinostart: 29. November 2018

mit Félix Maritaud, Éric Bernard, Nicolas Dibla, Philippe Ohrel

Sauvage

Léo ist 22, lebt in Straßburg und verkauft seinen Körper. Nachts lässt er sich durch die Stadt treiben, tagsüber schläft er irgendwo für ein paar Stunden. Wenn es Ärger mit Freiern gibt, hilft ihm sein bester Freund Ahd. Aber der Partner, nach dem Léo sich sehnt, der Mann, in dessen Armen er einschlafen darf, kann Ahd nicht für ihn sein. Léos rastlose Suche geht immer weiter. Sein Herz schlägt wild dabei.

Der Debütfilm von Regisseur Camille Vidal-Naquet steht mit seiner zarten Rohheit in der stolzen Tradition der empfindsamen Stricherfilme von Patrice Chéreau („Der verführte Mann“), André Téchiné („Ich küsse nicht“), Gus Van Sant („My Private Idaho“) und Robin Campillo („Eastern Boys“). Für seine kompromisslose Darstellung eines jungen Mannes zwischen Verlorenheit, körperlicher Selbstausbeutung und einer unstillbarer Sehnsucht nach menschlicher Nähe wurde Léo-Darsteller Félix Maritaud („120 BPM“) bei dem Filmfestspielen in Cannes mit dem Rising Star Award der Louis Roederer Foundation ausgezeichnet und als neue Hoffnung des französischen Kinos gefeiert. Ein intensives, zutiefst berührendes Porträt.

Trailer

Interview
Regisseur Camille Vidal-Naquet über seinen Film

Was war der Ausgangspunkt des Films?

Ich begann mit einer Person, einer bestimmten Energie. Ein einsamer junger Mann stürzt sich in das Leben auf der Straße und taumelt von einer Begegnung zur nächsten, immer auf der Suche nach Liebe. Dabei treibt ihn die Kraft der Liebe an. Sie übersteht all die Gewalt, der er in dieser Welt begegnet. Ich schrieb eine erste Drehbuchfassung und traf mich über einen Verein mit einigen Strichern aus dem Bois de Boulogne. Ursprünglich wollte ich nur an einigen ihrer Touren teilnehmen, aber im Laufe der Nächte entstanden sehr enge Beziehungen. Letztendlich verbrachte ich drei Jahren dort, und all diese Begegnungen flossen in mein Schreiben ein.

Neben Léos Gewalterfahrungen entwickelt sich im Film auch eine beeindruckende Sanftheit.

Léo genießt in seiner Arbeit als Prostituierter jeden einzelnen zärtlichen Moment, bei dem er einen Mann küssen oder umarmen kann. Er ist nicht so zynisch und distanziert wie seine Kollegen. Sie werfen ihm seine Haltung auch vor, die sie als mangelnde Professionalität interpretieren. Sie machen die Arbeit, um Geld zu verdienen, wohingegen Léo das Vergnügen genießt, wo immer er es findet.
Im Gegensatz zu den anderen, sagt Léo: Ich küsse Er hängt nicht am Geld, er zählt nie die Geldscheine, die er bekommt. Man sieht nicht, wie er es ausgibt. Es war mir sehr wichtig zu zeigen, dass ihm materielle Dinge nicht viel bedeuten. Er lebt in einer anderen Welt.

Eines der wenigen Dinge, die er für sich behält, ist sein Vorname …

Schon bei der ersten Drehbuchfassung wollte ich keinem der Strichjungen einen Namen geben, so als wäre die Geheimhaltung ihrer Identität ihr kostbarstes Gut. Viele von ihnen sehen die Prostitution als schauspielerische Arbeit: Man wird für einige Minuten zu einer anderen Person und die jeweilige Rolle wird an jeden Freier angepasst. Im Film werden ihre Vornamen nie genannt, insbesondere nicht der von Léo. Als der in Kanada lebende Freier Claude ihn nach seinem Namen fragt, antwortet er: „Such dir was aus.“ Ich hatte kurz überlegt, diese Antwort als Filmtitel zu verwenden.
Léo ist sehr einsam. Als ihm jemand ein Handy anbietet, antwortet er, er wisse nicht, wen er anrufen solle …
Diese Einsamkeit ist jedoch zugleich auch eine Stärke. Léo lebt in absoluter Freiheit, mit all ihren beängstigenden und bewundernswerten Seiten. Diese Freiheit beschrieb auch Kerouac: „Man konnte nirgendwo mehr hin, außer überall.“ Auch Mona erlebt diese Art der Freiheit in Agnès Vardas „Vogelfrei“ (1985): Da sie sich weigert, sich den sozialen Regeln zu unterwerfen, und sich von niemandem zu etwas zwingen lässt, ist die Härte der Straße für sie zur Normalität geworden. Im Film beschwert sich Léo nie, weder über seine Arbeit, noch über seine Lebensumstände.

Léo bleibt eine mysteriöse Figur, von dessen bisherigem Leben man nichts weiß.

Der Film will nicht erzählen, wie und warum Léo zu diesem Leben kam, sondern lädt ein, es mit ihm zu teilen, spezielle Momente mitzuerleben. Er spricht die Sinnesempfindungen an. Ich wollte Léos Leben direkt wiedergeben, sodass der Schock und die Orientierungslosigkeit der Ausgrenzung mitempfunden werden können.

Pressestimmen

„Félix Maritaud ist überwältigend!“
(The Hollywood Reporter)

„Ein vibrierendes Debüt.“
(Berliner Zeitung)

„Ein rohes, ehrliches Drama.“
(Berliner Morgenpost)

„Herausragend!“
(Frankfurter Rundschau)

„Vidal-Naquet beschönigt nichts. Immer wieder zeigt er die Spuren, die der Alltag auf der Straße und die Drogen auf den Körpern seiner Figuren hinterlassen. Und er konfrontiert einen auch mit der Gewalt, der sie fortwährend ausgesetzt sind. Aber er wertet dabei nicht. Selbst wenn Léo zum Opfer brutaler und menschenverachtender Freier wird, geht eine ungeheure Stärke von ihm aus.“
(epd Film)

„Félix Maritaud überlässt sich seiner Figur mit Haut und Haar!“
(taz)

Biografien

FÉLIX MARITAUD (Léo) stammt aus Berry. Er studiert von 2012–13 an der École Nationale des Beaux-Arts in Bourges. 2016 wird er von Robin Campillo für die große Leinwand entdeckt: Er spielt in „120 BPM“, der bei den Filmfestspielen in Cannes mit dem Grand Prix und später mit sechs Césars ausgezeichnet wird, den Aids-Aktivisten Max. Zwei Jahre später ist er in Cannes gleich mit zwei Filmen vertreten: In „Knife + Heart“ von Yann Gonzalez, der im Wettbewerb gezeigt wird, und in SAUVAGE von Camille Vidal-Naquet, der in der Semaine de la Critique läuft und in dem er seine erste Hauptrolle spielt. Für SAUVAGE wird Maritaud mit dem Rising Star Award der Louis Roederer Foundation ausgezeichnet.

  • 2017

    „120 BPM“ (R: Robin Campillo); „Les îles“ (KF, R: Yann Gonzales)

  • 2018

    „Knife + Heart“ (Un couteau dans le coeur, R: Yann Gonzales); „Sauvage“ (R: Camille Vidal-Naquet)

CAMILLE VIDAL-NAQUET (Buch & Regie) wird 1972 in Nevers geboren. Er studiert Literaturwissenschaft, wendet sich dann aber dem Filmemachen zu. Auf einen ersten experimentellen Kurzfilm in Zeichensprache folgen die fiktionalen Kurzfilme „Backstage“ (2001) und „Mauvaise tête“ (2014). SAUVAGE ist Vidal-Naquets Langfilmdebüt.

  • 2001

    „Backstage“ (24 Min.)

  • 2014

    „Mauvaise tête“ (28 Min.)

  • 2018

    „Sauvage“ (99 Min.)

Credits

Cast

mit

Félix Maritaud, Éric Bernard, Nicolas Dibla, Philippe Ohrel

Crew

Buch und Regie

Camille Vidal-Naquet

Kamera

Jacques Girault

Schnitt

Elif Uluengin

Szenenbild

Charlotte Casamitjana

Ton

Jérémie Vernerey, Julien Roig, Benjamin Viau

eine Produktion von Les Films de la Croisade
in Koproduktion mit La Voie Lactée
unter Beteiligung von Centre National de la Cinématographie et de l’Image Animée
unter Beteiligung von La Région Grand Est, Eurométropole de Strasbourg
Weltvertrieb Pyramide International

im Verleih der Edition Salzgeber