Ab 26. Mai im Kino

Die Bilderkriegerin – Anja Niedringhaus

Regie: Roman Kuhn

Deutschland 2022, 91 Min., deutsch-englische OF, teilweise mit deutschen UT

Die Bilderkriegerin – Anja Niedringhaus

Die Fotografin Anja Niedringhaus ist 26, als sie 1992 nach Sarajewo kommt, um über den Krieg zu berichten. Vor Ort ist es bitterkalt, es gibt keinen Strom, kaum Nahrung, und jede:r ist ständig in Lebensgefahr. Der spanische Fotograf Sergio nimmt sie unter seine Fittiche und zeigt ihr, wie man in einem Kriegsgebiet überlebt. Anja berichtet mit Unterbrechungen fast drei Jahre von dem Schauplatz, später arbeitet sie u.a. im Kosovo und in Afghanistan. 2001 wechselt sie zur renommiertesten Bildagentur der Welt, Associated Press (AP). Ihre Fotos landen auf den Titelseiten der großen internationalen Zeitungen, 2005 erhält sie für ihre Berichterstattung aus dem Irak den Pulitzer Prize. In Kabul lernt sie die AP-Chefkorrespondentin Kathy Gannon kennen, beide sind bald ein unzertrennliches Team. Doch dann kommt es während der afghanischen Präsidentschafts¬wahlen 2014 zu einem verheerenden Anschlag …

Roman Kuhn erzählt in seinem mitreißenden Biopic, wie aus einer zunächst wenig erfahrenen Fotografin eine der besten Fotojournalist:innen ihrer Generation wird. Antje Traue spielt Anja Niedringhaus (1965-2014) als leidenschaftliche und todesmutige Wahrheitskämpferin, die mit ihren Bildern aus den Kriegsgebieten immer ganz dicht an den Menschen bleibt und die Welt zum Besseren verändern will. Ein Film von erschreckender Aktualität.

Trailer

IM KINO
KINOSTART AM 26. MAI

Berlin

ab Donnerstag, 26. Mai

Bochum

ab Donnerstag, 26. Mai

Düsseldorf

ab Donnerstag, 26. Mai

Gelsenkirchen

ab Donnerstag, 26. Mai

Hemsbach

ab Donnerstag, 9. Juni

Nürnberg

ab Donnerstag, 26. Mai

Warburg

ab Donnerstag, 26. Mai

Wiesbaden

Freitag, 1. Juli bis Sonntag, 3. Juli

Langinhalt

Anja Niedringhaus ist 26 Jahre alt, als der Krieg in Jugoslawien ausbricht. Ein Krieg mitten in Europa. Hartnäckig bearbeitet sie den Chef ihrer Agentur, der European Pressphoto Agency: Sie muss als Fotografin dorthin! Wenige Wochen später besteigt Anja eine Transall-Maschine der Uno. Ihr Ziel: Sarajewo. Sie ist wild entschlossen, das Foto zu schießen, das den Krieg beenden wird. Aber erst einmal wird sie mit der harten Wirklichkeit in der belagerten Stadt konfrontiert. Es ist bitterkalt, es gibt keinen Strom, kaum Nahrung, und jeder in dieser Stadt ist ständig in Lebensgefahr durch die Sniper, die selbst auf spielende Kinder schießen. Die meisten von Anjas männlichen Kollegen glauben, dass „das Mädchen“ bei der nächsten Gelegenheit diese Hölle wieder verlässt. Aber Anja bleibt, mit Unterbrechungen fast drei Jahre. Der spanische Fotograf Sergio nimmt sie unter seine Fittiche. Er bringt ihr die Regeln des Überlebens in einem Kriegsgebiet bei. Anja dokumentiert Schreckliches, lernt zu improvisieren und behält trotz des sie umgebenden Leids ihre positive Ausstrahlung. Aus der naiven, jungen Frau wird eine der besten Fotojournalistinnen ihrer Generation.

Nach Sarajewo geht Anja in den umkämpften Kosovo. Sie fotografiert die flüchtenden Menschen, die Vertreibung, und kümmert sich um ein 1-jähriges Mädchen, das allein zurückbleibt. Mit einer Fotoreportage initiiert sie eine Spendenaktion und sorgt dafür, dass das Kind eine Familie findet. Zurück in Deutschland will Anja ihre berufliche Zukunft überdenken. Sie ist auch eine gefragte Sportfotografin. In diese Unsicherheit platzt im Jahr 2001 ein Ereignis, das Anja die Entscheidung abnimmt: 9/11. Sofort fliegt sie nach New York, kurz darauf ist sie schon in Afghanistan und Kuwait. Sie wechselt in die renommierteste Bildagentur der Welt: Associated Press (AP). Anjas Fotos vom Kriege landen auf den Titelseiten der großen Zeitungen in aller Welt.

Als die USA im Frühjahr 2003 im Irak einmarschieren, ist Anja von Anfang an dabei. Sie dokumentiert als Einzige den streng geheimen Truppenbesuch von Präsident Bush zu Thanksgiving. Auch Sergio ist im Irak. Die beiden haben eine Affäre, sind aber auch Konkurrenten. Den Traum von einer eigenen Familie hat Anja mittlerweile aufgegeben. Stattdessen kümmert sie sich, wenn sie in Deutschland ist, um die Kinder ihrer Schwester Gide.

Obwohl Anja Vorbehalte dem Militär gegenüber hat, begleitet sie im Rahmen einer Embedded-Mission die amerikanischen Streitkräfte. Es wird einer ihrer gefährlichsten Einsätze und verändert ihren Blick auf die jungen Soldaten, die aus unterschiedlichsten Gründen beim Militär gelandet sind. Aus der umkämpften Stadt Fallujah entkommt sie nur knapp, viele der Soldaten sterben. 2005 wird ihr fotografischer Einsatz im Irak mit dem renommierten Pulitzer Preis geehrt, dem Oscar für Fotografen. Ein Leben in Deutschland kann sich Anja nicht mehr vorstellen, auch wenn sie Gide und deren Kindern immer wieder besucht und dort versucht, die erlebten Schrecken zu verarbeiten. Bei einem Einsatz in Afghanistan wird sie 2010 verletzt, aber auch das hält sie nicht davon ab zurückzukehren. „Wenn ich es nicht fotografiere, wird es nicht bekannt.“ Das ist ihr Credo: den vielen anonymen Opfern ein Gesicht verleihen und damit die Welt aufrütteln.

In Kabul trifft Anja auf die AP-Chefkorrespondentin Kathy Gannon. Die beiden Frauen sind aus dem gleichen Holz geschnitzt und bilden schnell ein unzertrennliches Team. Afghanistan mit seinen atemberaubenden Landschaften und faszinierenden Menschen beeindruckt beide gleichermaßen. 2014 während der Präsidentschaftswahlen wollen sie in der Provinz von der mutigen Bevölkerung berichten, die trotz Bedrohung durch die Taliban wählen geht. Anja hat schon das Bild der Menschen vor Augen, die von den Bergen in die Ebene kommen, um ihre Stimme abzugeben. Sie wird es nicht mehr realisieren können, denn in einer gut bewachten Polizeistation eröffnet plötzlich ein Offizier das Feuer auf die beiden Frauen. Anja ist sofort tot, Kathy überlebt schwer verletzt und ist bis heute gezeichnet und in ärztlicher Behandlung.

Director's Statement
Roman Kuhn über seinen Film

Die Fotografin Anja Niedringhaus war ohne Frage eine besondere Frau und ein außergewöhnlicher Mensch. Ihr Mut, ihr Instinkt und ihr Talent waren herausragend.

Ihre Fotos aus Kriegs- und Krisengebieten erzählen von den Menschen und deren Geschichten hinter der Front. „Sie sah in die Seele der Menschen“, so beschreibt eine Kollegin ihr Werk. Ein anderer Wegbegleiter sagt: „Sie konnte mit ihren Bildern die Welt verändern.“ Ihre Bilder sind nie reißerisch, auch nicht künstlerisch. Es sind Dokumente des menschlichen Wahnsinns. Sie zeigen unverhohlen die Grausamkeiten des Krieges, aber auch die unglaubliche Kraft, den Stolz und die Würde der Menschen, die keine Wahl haben und dies alles ertragen müssen.

2005 gewinnt Anja Niedringhaus als erste Frau den renommierten Pulitzer Preis. In Interviews äußert sie sich eher unbeeindruckt, manchmal sogar belustigt über die Gefahren und die Grausamkeiten, denen sie jeden Tag ausgesetzt war. Und doch haben sich diese ohne Zweifel tief in ihre Seele eingebrannt.

Was hat all das mit ihr gemacht? Was verbarg sich wirklich hinter dieser immer freundlichen Fassade? Die unzähligen körperlichen Verwundungen kennen wir, doch wie schwer wurde ihre Seele getroffen? Wie erging es ihr, wenn die Tür zu war, es dunkel und einsam wurde? Was treibt einen jungen Menschen wie Anja in den Krieg und warum hielt sie das so lange aus? Über 20 Jahre. War es das Adrenalin, die Sehnsucht oder einfach nur eine Sucht?

„Without photography, there is no democracy!“, dieses Statement eines Kollegen war ihr Motto. Wir haben zwischen den Zeilen gelesen, auf die Untertöne ihrer Interviews gehört und versucht, die Aussagen ihrer Familie und Kollegen ins richtige Bild zu setzen. Heraus gekommen ist das Psychogramm einer bewundernswerten Frau, die trotz allen Erfolges immer wieder an der Wirkung und dem richtigen Einsatz ihrer Bilder gezweifelt hat. Gelangweilt von einem normalen Leben und doch zerrissen von der Sehnsucht, irgendwo anzukommen, war sie bis zuletzt getrieben, der Welt zu zeigen, was Kriege mit uns machen. Vielleicht hat sie auch nur keinen Weg gefunden, aus diesem Leben wieder herauszukommen. Somit war sie bis zuletzt zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

Biografie

ROMAN KUHN (Regie & Co-Autor) ist Regisseur, Produzent, Fotograf. Nach Anfängen als Art Director in Werbeagenturen gestaltete Roman Kuhn zuerst Musikvideos und Commercials für zahlreiche internationale Firmen. Er war an der ersten deutschen Firma für Computer-Animation und maßgeblich an der Entwicklung der digitalen Filmbearbeitung bei ARRI TV beteiligt und zeitweilig deren Geschäftsführer. Bekannt geworden durch die großen C&A Kampagnen, folgten weitere innovative Commercials und Imagefilme für ADAC, Siemens, IBM, Apple, Porsche. Der Olympia-Bewerbungsfilm für Berlin 2000 war ein weiteres Highlights.
Roman Kuhn war Dozent an der Folkwangschule in Essen und an der Kunstakademie in München. Parallel entwickelte Kuhn Konzepte für Kampagnen und später mehr und mehr auch für Spielfilme. Nach einigen Kurzfilmen produzierte Kuhn seinen ersten Film „Three Below Zero“ (Max Ophüls Preis 1999) mit Wes Bentley und Kate Walsh in New York.
1999 entstehen mit der eigenen Produktionsfirma die ersten TV Movies „Die Schläfer“ und „Der Voyeur“ für Pro7, bei denen er nicht nur Regie führt, sondern auch als Autor und Produzent tätig ist. Es folgen diverse Fernseh- und Kinofilme wie „Tattoo“ und „BeAngeled“ sowie ein für den Bundesfilmpreis nominierter Kino-Dokumentarfilm über das Leben von Hildegard Knef. Das Arbeiten mit Spielfilmen beeinflusst auch sein Schaffen in der Werbung. Kuhn entwickelte neben vielen klassischen Werbefilmen auch neue innovative Formate, die das Beste aus beiden Welten miteinander verbinden. Zum Beispiel 2008 in Kooperation mit Gruner&Jahr und der UFA die Kurzfilmplattform „Floaded“, auf der in den Filmen vorkommende Produkte direkt online verlinked werden.
Neben den filmischen Arbeiten wird die Fotografie zu einem weiteren Bestandteil seines Schaffens. Der begeisterte Auto- und Motorradfan entwickelte sich auch zu einem der führenden Automotive-Fotografen. Zudem wurden seine großformatigen Landschafts- und Portraitaufnahmen mehrfach ausgestellt.
Kuhn zeigt in seinen Filmen und Bildern gerne eine etwas andere Perspektive, unter Einsatz neuer Optiken oder Techniken, immer im Sinne der Geschichte. Auch in seinem Film „Die Bilderkriegerin – Anja Niedringhaus“ ist das zu sehen, wo er auch eine spezielle, subjektive Kamera selbst übernommen hat.

Credits

Cast

Anja

Antje Traue

Sergio

Michele Cuciuffo

Kathy

Dulcie Smart

Gide

Franziska Hartmann

Kubra

Meriam Abbas

Cengiz

Sahin Eryilmaz

Nishan

Hadi Khanjanpour

Fehim

Damir Avdic

Hella

Clara Veihelmann

Josh

Jonathan Failla

Jason

Crisjan Zöllner

Crew

Regie

Roman Kuhn

Buch

Yury Winterberg, Roman Kuhn

Bildgestaltung

Jürgen Rehberg

Filmschnitt

Clemens Hübner

Kostüm

Filiz Ertas

Maske

Grit Hildenbrand, Anna Freund

Casting

Ulrike Müller, Juno Casting

Szenenbild

Gudrun Roscher

Musik

Dürbeck & Dohmen

Creative Producer

Marion Klann

Produktionsleitung

Cornelia Schmidt-Matthiesen

Koproduzenten

Janosch Benz, Ufuk Genç, Erhan Emre

Ausführender Produzent

Pierre-André Rochat

Redaktion

Peter Arens, Stefan Brauburger, Carl-Ludwig Paeschke

Dokumentarregie

Sonya Winterberg

Produziert von

Hartmut Köhler, Tina Illgen

Produzentin

Regina Ziegler

eine Koproduktion von Ziegler Film GmbH & Co. KG, Avanga Filmproduktion GmbH & Co. KG und Volksfilm GmbH
mit dem Zweiten Deutschen Fernsehen
in Zusammenarbeit mit Lightburst Pictures GmbH
gefördert von Mitteldeutsche Medienförderung, Deutscher Filmförderfonds, Filmförderungsanstalt

im Verleih von Salzgeber