
realisiert von Kristian Petersen in Zusammenarbeit mit Associação Cultural Mix Brasil & Rodrigo Diaz Diaz
Brasilien/Deutschland 2009, 84 Minuten, mehrsprachige Originalfassung mit deutschen Untertiteln
Mit Kurzfilmen von Herman Barck, Rodrigo Diaz Diaz, Joana Galvão, Sabrina Greve, René Guerra, Max Julien, Luciana Lemos, Sílvia Lourenço, Ricky Mastro, Monica Palazzo, Gustavo Vinagre
Was passiert, wenn weibliche Filmschaffende schwules Verlangen auf Film bannen sollen? Und wie inszenieren ihre männlichen Kollegen lesbisches? Nach Berlin, New York und Tel Aviv wird im vierten Teil der „Fucking Different“-Reihe auch die größte Metropole der Südhalbkugel zur filmischen Interventionszone: 11 brasilianische Künstler:innen erzählen lustvoll von schwul-lesbischem Leben in São Paulo. Die Kurzfilme bilden Zärtlichkeit auch unter widrigen Umständen ab und schaffen ein Bild jener privater Utopien, die unsere queeren Vorfahr:innen schon immer gelebt haben.
Unter Anleitung von Produzent Kristian Petersen entstanden während eines Workshops beim 16. Mix Brasil Festival die Drehbücher für zwölf dokumentarische, mal animierte oder fiktionale Kurzfilme, die einen unverfälschten Einblick in die lesbisch-schwule Szene São Paulos erlauben. Dabei ist egal, ob rebellischer Lesbenpunk oder eine schwule Kirchengemeinde, ewige Treue oder anonymer Hook-Up im Vordergrund stehen – „Fucking Different São Paulo“ erzählt hoffnungsvoll von einer tief verankerten queeren Kultur, die Länder- und Gendergrenzen sprengt.
1718
ein Film von Joana Galvão & Monica Palazzo
Liebe und Ewigkeit durch Kunst; Das Gemälde einer jungen Künstlers aus dem Jahr 1718 im Wandel der Zeit. Sein Einfluss auf Freundschaft, Liebe und die Rolle der Kunst im Leben der Menschen.
RONDA
ein Film von Max Julien
Zitate aus der brasilianischen Kinogeschichte. Ein Film in Reaktion auf das Begehren heterosexueller Männer nach lesbischen Paaren.
UM OLHAR
ein Film von Joana Galvão
Ein Mann zieht durch die Straßen und träumt davon, sich von den Erwartungen der ihn umgebenen Gesellschaft zu befreien. Eine unerwartete Begegnung regt ihn zu einem neuen Leben an, in dem er sich nicht mehr verstecken muss.
FELIZES PARA SEMPRE
ein Film von Ricky Mastro
Die wahre Geschichte von Lu und Ligia, die sich seit über 30 Jahren lieben.
1972
ein Film von Joana Galvão & Monica Palazzo
Carlos und Pedro rauchen Gras in Carlos‘ Apartment. Sie diskutieren über das menschliche Begehren des Unendlichen. Clarice und Flora kommen hinzu. Ein Gemälde an der Wand lenkt ihr Gespräch in eine neue Richtung.
CASA
ein Film von René Guerra
Das innere und äußere Empfinden der Liebe zwischen zwei Frauen.
UNDER THE SKIN
ein Film von Silvia Lourenco & Sabrina Greve
Ein filmisches Porträt des jungen Miguels, der mit HIV lebt.
AFTER LUNCH
ein Film von Rodrigo Diaz Diaz
Nach einem Sonntagsbrunch mit der Familie schauen die Männer Fußball und die Kinder spielen. Freundinnen Nana und Andrea beginnen, über ihre erotischen Träume zu sprechen.
DYKELAND
ein Film von Gustavo Vinagre
Vier junge Lesben aus São Paulo bereiten die Veröffentlichung ihres ersten feministischen Dyke-Rock-Albums vor.
2009
ein Film von Joana Galvão & Monica Palazzo
Greg ist Schauspieler in einem Stück über Vampirismus. Nach der letzten Aufführung am Ende der Saison wird er von seinem Partner Daniel mit einem inspirierenden Geschenk überrascht.
FLACA
ein Film von Herman Barck
Eine Frau wird von einem attraktiven Mann zum Tanz aufgefordert. Doch die Dinge sind anders, als sie zuerst denkt.
DEUS DO IMPOSSIVEL
ein Film von Luciana Lemos
Das Dokument einer schwulen Kirche in São Paulo, wo Sexualität und Glaube nebeneinander existieren können.
HERMAN BARCK wurde 1955 in Montevideo, Uruguay, geboren. In den späten 70ern studierte er Theaterregie in Tel-Aviv und begann inspiriert durch ein Treffen mit André Fischer und Suzy Capó ab den 90ern eigene Filme zu drehen.
RODRIGO DIAZ DIAZ wurde 1979 in Campinas, São Paulo, geboren. Seine Karriere begann als Regieassistent und Script Supervisor für renommierte Regisseur, wie Heitor Dhalia, Sérgio Bianchi und Fernando Meirelles. Zudem kreierte er eigene Kurzfilme, die er online veröffentlichte. 2009 war er Teilnehmer des Berlinale Talent Campus und realisierte in Folge den mehrfach ausgezeichneten Kurzfilm „After Lunch“. Seit 2020 fokussiert sich seine Arbeit hauptsächlich auf die Kampagnengestaltung für Dokumentarfilme.
JOANA GALVÃO arbeitete nach einem Studium in den USA als Cutterin für Filmprojekte, unter anderem an der Seite des renommierten Schnittmeisters Mauro Alice. Gemeinsam drehte sie mit Carolina Marcowicz den Kurzdokumentarfilm 69 – Praça da Luz“ über ältere Sexarbeiter:innen. Sie war Teil des 6. Berlinale Talent Campus.
SABRINA GREVE, 1978 geboren, ist Schauspielerin, Drehbuchautorin und Regisseurin. Während ihres Studiums der Filmwissenschaft an der FAAP realisierte sie die Kurzfilme „3.33“, „No Noel“ und „Um Zé“, für die sie auf brasilianischen Filmfestivals mehrere Auszeichnungen erhielt. Ihre erste Hauptrolle spielte sie 2001 in Suzana Amarals „A Hidden Life“.
RENÉ GUERRA arbeitet als Drehbuchautor und Regisseur. Nach mehreren Jahren am Theater begann er zuerst für die brasilianischen TV-Serien „Identidade Cultural“ (SEBRAE – Alagoas, 2005) und „Tudo o Que é Sólido Pode Derreter“ zu schreiben. Sein Regiedebüt folgte 2004. Zwei Jahre später besuchte er den Berlinale Talent Campus. Sein Kurzfilm „Os Sapatos de Aristeu“ war der brasilainische Beitrag für den Besten Kurzfilm bei den Academy Awards 2009.
MAX JULIEN ist ein in São Paulo lebender Fotograf und Videograf, dessen preisgekrönte Arbeiten weltweit auf Festivals gezeigt wurden. Er ist ebenfalls im Bereich der Erwachsenenunterhaltung tätig ist.
LUCIANA LEMOS wurde in Ubaitaba, Bahia geboren und zog Studium nach São Paulo, wo sie ebenfalls ihre Karriere in der Filmbranche begann. Zwischen 2010 und 2015 realisierte vier politische Dokumentarfilme und arbeitete bei Filmfestivals in Brasilien und den USA. Ihre Dissertation an der Universität Texas beschäftigt sich mit der Spannung zwischen urbaner Entwicklung und indigenen Lebensweisen im Amazonas.
SILVIA LOURENÇO ist eine brasilianische Schauspielerin und Drehbuchautorin. Ihre erste Hauptrolle spielte sie in Roberto Moreiras Film „Up Against Them All“, der 2004 im Panorama der Berlinale Premiere feierte.
RICKY MASTRO ist ein in Toulouse lebender brasilianischer Regisseur mehrerer preisgekrönter Kurzfilme und des Langfilms „7 Minuten“. Seine Arbeiten beschäftigen sich vornehmlich mit den Perspektiven und Erfahrungen queerer Menschen und er ist sehr aktiv in der queeren Festivalszene.
MONICA PALAZZO wurde 1978 in Araraquara geboren und lebt seit 2001 in São Paulo, wo sie studierte und 2024 einen PHD im Fach Visual Poetics erhielt. Sie arbeitet als Szenenbildnerin und visuelle Künstlerin, deren Arbeiten eine Brücke schlagen zwischen Design, Poesie und Narration.
GUSTAVO VINAGRE, 1985 geboren, ist ein brasilianischer Filmemacher, der sowohl im Bereich Dokumentarfilm und Fiktion arbeitet. Er hält einen Abschluss der Internationalen Hochschule für Film und Fernsehen Kuba und studierte Literatur an der Universität von São Paulo. Seine Kurz- und Langfilme feierten ihre Uraufführung auf internationalen Filmfestivals, wie Rotterdam und der Berlinale. Für „Three Tidy Tigers Tied a Tie Tighter“ gewann er 2022 den Teddy Award für den Besten Kurzfilm.
KRISTIAN PETERSEN ist Filmemacher, Produzent, Hochschuldozent und Filmkurator. Seit 2009 ist er als Moderator bei der Berlinale (Panorama) tätig. Er ist Programmgestalter für mehrere internationale Filmfestivals (Pornfilm Festival Berlin) und seit 2015 für verschiedene Musikfestivals. (Sziget, Melt!, Lollapalooza, Berlin Festival). In seinen Konzepten hinterfragt er Geschlechterbinarität. Seine Kurzfilmsammlungen „Fucking Different“ wurden auf vielen Filmfestivals weltweit gezeigt. Er wurde zu mehreren Podiumsdiskussionen eingeladen und war als Jurymitglied bei verschiedenen Filmfestivals tätig.