
ein Film von Lutz Pehnert
Deutschland 2026, 123 Minuten, deutsche Originalfassung
FSK 6
Kinostart: 11. Juni 2026
Als Kronprinz von Erich Honecker machte Egon Krenz SED-Karriere, am Ende war er der letzte Staatschef der DDR. Doch er führte das Land nur 50 Tage, nach der Wiedervereinigung wurde er wegen seiner Mitverantwortung für die Mauertoten zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt. Seit seiner Entlassung 2003 lebt er in Dierhagen an der Ostsee.
Funktionär, Aufsteiger, Apparatschik, Bonze, Hassfigur, Totschläger, Häftling, Vater und Großvater – wer ist Egon Krenz am Ende seines Lebens? In „Kommunist“ zeichnet Regisseur Lutz Pehnert („Bettina“) den Aufstieg und Fall des Mannes nach und beleuchtet seine politischen Entscheidungen im Kontext des Kalten Krieges. Gleichzeitig blickt der Film mit neuer Perspektive auf den Niedergang der DDR und auf die Wege der Menschen, die in diesem System aufwuchsen.
Im Laufe meiner fast 30-jährigen Arbeit als Regisseur für Film und Fernsehen wurde ich immer mit dem verschwundenen Staat DDR und seiner Spätfolgen konfrontiert. Rockmusik, Außenhandel, Seefahrerei, Berliner Mauerjahre, das Leben und Wirken von Künstlern und Schauspielern in der DDR, der Rückblick auf DEFA-Filme, die DNA des Osten der Nachgeborenen – diese andauernde Beschäftigung mit dem Land, in dem ich gelebt habe, das Nichtloskommen von dieser Vergangenheit, mögen auch ein Fluch sein. Aber die Summe vieler Erfahrungen und Erinnerungen hat meinen eigenen Rückblick ergänzt und bereichert. In dieser Summe ist der Begriff „Unrechtsstaat“ ein Begriff unter anderen und nicht die einzig gültige Erkenntnis.
Nun geht es um Egon Krenz, den letzten verbliebenen Staatsmann eines untergegangenen Landes, Kronzeuge seines eigenen Funktionär-Lebens und der Politikerkaste, der er angehörte. So weit, so gut. Aber wie erzählt man einen Menschen, der vielleicht nur unter seinen alten Genossen noch Sympathien erweckt und sie in ideologischen Nostalgien schwelgen lässt?
Warum Egon Krenz? Zum einen verkörpert er die uralte Aufstiegs-Story vom „Tellerwäscher zum Millionär“, hier also vom Dorfjungen zum Staatsratsvorsitzenden. Zum anderen eröffnet Krenz’ Rückblick eine bisher so nicht erzählte Geschichte von „oben“, die aus dem Machtzentrum auf das Leben und auf die politischen Verhältnisse in der DDR schaut. Welcher Ehrgeiz, welcher Anpassungsleistungen, welche Ideale und welcher Verrat an den Idealen waren für diesen Lebensweg erforderlich? In dieser Fragestellung schaut der Film auf die Biografie von Egon Krenz. In deren Bilanz schließt ihn die Partei, der er gedient und für die er gelebt hat, aus ihren Reihen aus. Und als letztes Urteil einer Karriere zwischen guter Absicht und rigorosem Scheitern stehen „sechseinhalb Jahre Gefängnis wegen vierfachen Totschlags“. Ein Filmporträt über „so einen“, dem letzten Prominenten der DDR-Politikerkaste – so oft ich darüber nachgedacht habe, so oft habe ich es bezweifelt und die Gedanken darüber wieder verworfen.
Die Möglichkeit, an der Filmidee weiterzuarbeiten, ergab sich durch ein Ehrenstipendium der Stiftung Mecklenburg-Vorpommern im Ahrenshooper Künstlerhaus „Lukas“. Zwei Orte weiter, in Dierhagen, verbringt Egon Krenz seinen Lebensabend. Ich besuchte Ihn, führte viele Gespräche mit ihm, die ich aufzeichnete. So entstanden Gesprächsprotokolle, die zum Fundament des Filmprojekts geworden sind.
Lutz Pehnert (Regie & Buch) wurde 1961 in Berlin geboren. Nach seiner Ausbildung zum Schriftsetzer, arbeitete er von 1982 bis 1995 bei der Tageszeitung „Junge Welt“ und schrieb außerdem für verschiedene Zeitschriften. Seit 1995 ist er als freiberuflicher Autor und Regisseur für das Fernsehen tätig. Er realisiert Künstlerporträts, Geschichtsdokumentationen, Reise-Reportagen. Der Film „Brand“ über eine Alkoholiker-Brigade im Stahlwerk Brandenburg lief 1996 im Forum der Berlinale. Für seine mehrteilige Dokumentation über die Geschichte der ostdeutschen Seefahrt „DDR Ahoi!“ erhielt er 2011 den Grimme-Preis. Sein Film „Partisan“ über die Castorf-Ära an der Berliner Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz gewann den 2. Panorama Publikumspreis auf der 68. Berlinale und wurde für den Deutschen Filmpreis 2019 in der Kategorie ‚Bester Dokumentarfilm‘ vorausgewählt.
1996
„Brand“ (Dok., 43 Min.)
2006
„Ma vie: Wolfgang Kohlhaase“ (Dok., 45 Min.)
2008
„Deutschland, deine Künstler – Katharina Thalbach“ (Dok. 45 Min.)
2010/11
„DDR ahoi!“ (3×45 Min.)
2014
„Die Ostdeutschen“ (Dok., 5×80 Min.)
2015
„Ostrock – Zwischen Liebe und Zorn“ (Dok., 90 Min.)
2016
„Grenzland: Vom Baltikum bis zur Akropolis“ (Dok., 45 Min.), „Immer bereit! Junge Pioniere in der DDR“ (Dok., 45 Min.), „Deutschland, deine Künstler – Katrin Sass“ (Dok., 45 Min.)
2018
„Partisan“ (Dok., 130 Min.)
2018-20
„Berlin – Schicksalsjahre einer Stadt“ (diverse Folgen, Dok., je 90 Min.)
2019
„Ostfrauen“ (Dok., 2×45 Min.)
2020
„Wir Ostdeutsche“ (Dok., 90 Min.), „Wer wir sind – Die DANN des Ostens“ (Dok., 90 Min.), „Die Fahrradfahrerin von Sanssouci – Jutta Hoffmann“ (Dok., 45 Min.)
2022
„Bettina“ (Dok., 107 Min.)
2026
„Kommunist“ (Dok., 123 Min.)
Regie & Buch
Lutz Pehnert
Bildgestaltung
Andreas Deinert, Markus Hering, Thomas Simon, André Böhm
Ton
Michael Thäle, Christian Baumgartl, Rainer Hochmuth, Richard Hegenkötter
Schnitt
Thomas Kleinwächter
Grafik
Mieke Ulfig
Musik
Leon Zeug
Farbkorrektur
Christoph Sturm
Mischung
Jörg Höhne
Redaktion
Rolf Bergmann
Produktionsassistenz
Stella Markert
Produzentin
Susann Schimk
Eine Produktion der solo:film GmbH
in Koproduktion mit Rundfunk Berlin-Brandenburg
gefördert mit Mitteln der Filmförderung Mecklenburg-Vorpommern und des Deutschen Filmförderfonds
im Verleih von Salzgeber