Gehen und Bleiben
GEHEN UND BLEIBEN
Als DVD & VoD und in ausgewählten Kinos

Gehen und Bleiben

ein Film von Volker Koepp

Deutschland 2023, 168 Minuten, deutsche Originalfassung

Kinostart: 20. Juli 2023

FSK 0

Zur DVD im Salzgeber.Shop

Gehen und Bleiben

Motive des Gehens und Bleibens und die Auseinandersetzung mit deutscher Geschichte durchziehen das Werk von Uwe Johnson (1934-1984), mit dessen Texten Volker Koepp in die biografischen und literarischen Gegenden des Schriftstellers reist. Vor allem geht es in den Nordosten Deutschlands, zu Menschen, die von ihrem Leben in der unmittelbaren Gegenwart, von ihren Erinnerungen, vom Ausharren an den Orten ihrer Herkunft, vom Fortziehen und auch von Uwe Johnson erzählen.

Gehen und Bleiben
GEHEN UND BLEIBEN

Langinhalt

Menschen, Orte und Landschaften im Nordosten Deutschlands, „wo der Wind grau und rauh vom Meer ins Land fällt“, wie der Schriftsteller Uwe Johnson schrieb. Auch von ihm, einem der bedeutendsten deutschen Nachkriegsautoren, erzählt dieser Film.

Uwe Johnson wurde 1934 in Cammin, in Pommern, dem heute polnischen Kamień Pomorski an der Ostsee geboren und starb 1984 mit nur 49 Jahren im englischen Sheerness-on-Sea an der Nordsee. Die mecklenburgische und pommersche Herkunft blieb für ihn lebenslang ein wichtiger literarischer Bezugspunkt. Erst recht, nachdem er 1959 die DDR verlassen hatte und fortan in West-Berlin, New York und England lebte. Motive des Gehens und Bleibens durchziehen sein Werk ebenso wie die Auseinandersetzung mit deutscher Geschichte, dem Zweiten Weltkrieg, deutscher Schuld und den „weiteren Folgen des Krieges“, wie er es nannte. Hinzu kommen Erfahrungen als Schüler, Student und angehender Schriftsteller in der frühen DDR.

Volker Koepp reist mit Texten Uwe Johnsons in dessen biografische und literarische Gegenden. Etwa in die Fluss- und Seenlandschaft Mecklenburg-Vorpommerns zwischen Anklam und Güstrow und den nordöstlichen Zipfel Mecklenburgs, den Klützer Winkel oder auf das Fischland an der Ostsee bei Ahrenshoop. Hier begegnet er Menschen in ihrem gegenwärtigen Leben. Sie erzählen von ihren Erinnerungen, vom Gehen und Bleiben, vom Ausharren an den Orten der Herkunft, vom Fortziehen und auch von Uwe Johnson.

„Gehen und Bleiben“ entstand in der Wirklichkeit der Jahre 2020 bis 2022, während der Pandemie und der Ausweitung des russischen Krieges auf die gesamte Ukraine. Auf seiner Fahrt durch die Zeit fragt der Film, welche Bedeutung die Vergangenheit für das gegenwärtige Leben hat und wie ein hoffnungsvoller Blick auf die Zukunft mit Motiven des Gehens und Bleibens zusammenhängt. Textzitate Uwe Johnsons eröffnen dabei einen filmischen Erzählraum, der Geschichte und Gegenwart gedanklich und sinnlich zusammenführt. Wie nebenbei entsteht so auch ein fragmentarisches Lebensbild des Schriftstellers Uwe Johnson und eine Annäherung an sein Werk.

Trailer

IM KINO
KINOSTART 20. JULI 2023

Templin

am 20. April um 16:30 Uhr, in Anwesenheit von Volker Koepp

Taipeh, Taiwan

May, 11 & 19.

Wien, Österreich

Am 15. Juni im Rahmen der Retrospektive Volker Koepp

Director’s Statement

Ich war 2018 zur Premierenfahrt unseres Films „Seestück“ unterwegs. Nach der Vorführung in Rostock bekam ich ein Buch geschenkt: „Die Ostsee – Berichte und Geschichten aus 2000 Jahren“. Darin ist auch ein Text aus Uwe Johnsons Romanzyklus „Jahrestage. Aus dem Leben von Gesine Cresspahl“ enthalten: die Beschreibung vom Untergang des früheren Luxusdampfers Cap Arcona am 3. Mai 1945 in der Lübecker Bucht. Tausende Häftlinge aus dem Konzentrationslager Neuengamme waren an Bord des Schiffs kurz vor Kriegsende ums Leben gekommen.

Die Wiederbegegnung mit dem Schriftsteller Uwe Johnson war für mich besonders: Es schien so, als hätte hier ein Überlebender des Krieges versucht, gegen das Vergessen anzuschreiben. Die Gegenwart des Jahres 2018 aber war von Geschichtsvergessenheit geprägt und die Hoffnungen der 90er Jahre des vorigen Jahrhunderts waren nach dem scheinbaren Ende des Kalten Krieges auf eine friedlichere Welt längst wieder verflogen. Es hatte Tschetschenien gegeben und Georgien, und Russland hatte zuletzt auch die Krim annektiert. Nur wenige Seiten vor Uwe Johnsons Bericht über die Cap Arcona gibt es im Roman eine Unterhaltung am 5. Mai 1968 zwischen Gesine Cresspahl und ihrer Tochter Marie über die Frage, ob sowjetische Panzer – wie schon 1956 in Budapest – in Prag einrücken oder ob lediglich Manöver stattfinden werden. Die Aktualität dieser Fragestellung beeindruckte mich.

So begann meine Wiederentdeckung Uwe Johnsons. Ich stellte fest, dass ich viele der Orte, die in seinem Werk auftauchen, schon gesehen hatte. Natürlich bewegte mich auch eine besondere Art von biografischer Nähe zu Uwe Johnson. Ich wurde in der Nähe der Ostsee geboren. Von Stettin aus floh meine Mutter mit meinen drei Schwestern und mir nach Broda bei Neubrandenburg. In den Schulferien besuchte ich ab 1950 das Dorf immer wieder. Es lebten immer noch Flüchtlingsfrauen dort. Sie unterhielten sich an der Pumpe über das Kriegsende. Danach lebte ich für ein paar Kinderjahre in Greifswald in der Nähe des Hafens. Ich erinnere mich an ein Gespräch der Erwachsenen über die Bombardierung Swinemündes und die Flucht aus Stettin. Folgen des Krieges. Später fuhr man zur Sommerfrische an die Ostsee.

So ergab sich meine inhaltliche Annäherung. Johnsons Beziehung zu den Landschaften seiner pommerschen und mecklenburgischen Heimat, seine Aufarbeitung der Nachkriegszeit, sein „Gehen und Bleiben“. Viele Landschaften hatte ich schon in seinen Gegenden gedreht und ich habe oft erlebt, dass die Menschen, denen ich in den Dörfern begegnete, erst nach 1945 hier heimisch wurden. Und immer hatte ich in meinen Filmen auch darauf hingewiesen, dass der Norden und Osten Deutschlands von den Verheerungen der Kriege und Teilungen immer besonders betroffen war und alles oft ganz wüst lag; seit dem 30-jährigen Krieg war das so, Ritter, Tod und Teufel, bis zu den Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges im vorigen Jahrhundert. Die Affinität zu Uwe Johnsons Welt stellte sich in vielen Facetten mehr und mehr her. Darum wollte ich, beeindruckt von der poetischen Kraft der Johnsonschen Texte, diesen Film realisieren.

Die Pandemie sorgte nach Drehbeginn immer wieder für Unterbrechungen. Die gegenwärtigen Entwicklungen der Jahre 2020 bis 2023 waren plötzlich sehr eng mit dem Werk Uwe Johnsons verbunden. Die zerschlagenen Hoffnungen der Frauen in Belarus und die Ankündigung von russischen Manövern. Schließlich, am 24. Februar 2022, die Ausweitung des Überfalls Russlands auf die gesamte Ukraine. Jetzt, zu Beginn des Jahres 2023, scheint es so, als hätte es nie ein Kriegsende gegeben.

Hintergrund
Über Uwe Johnson

Uwe Johnson, geboren 1934 in Cammin in Pommern, gestorben am 1984 im englischen Sheerness-on-Sea, gilt als einer der wichtigsten deutschen Schriftsteller der Nachkriegszeit. Johnson wächst zunächst in Anklam auf und flieht 1945 mit seiner Mutter und seiner Schwester nach Recknitz bei Güstrow. Sein Vater wird von der Roten Armee interniert, in die Sowjetunion deportiert und 1948 für tot erklärt. In Güstrow legt Johnson 1952 seine Reifeprüfung ab. Im selben Jahr beginnt er ein Germanistik-Studium in Rostock, das er ab 1953 in Leipzig fortsetzt. 1956 schließt er sein Studium mit einer Arbeit über Ernst Barlachs Romanfragment „Der gestohlene Mond“ ab. Bereits während des Studiums arbeitet er an seinem ersten Roman „Ingrid Babendererde. Reifeprüfung 1953“, den er 1956 diversen Verlagen in der DDR erfolglos zur Veröffentlichung anbietet. Auch der westdeutsche Suhrkamp-Verlag lehnt das Manuskript ab und wird den Roman erst postum 1985 veröffentlichen. Johnson geht 1959 nach West-Berlin. Im selben Jahr veröffentlicht Suhrkamp seinen Debütroman „Mutmaßungen über Jakob“. Von 1966-68 lebt Johnson in New York, arbeitet als Schulbuchlektor und beginnt seine Arbeit an „Jahrestage. Aus dem Leben von Gesine Cresspahl“. Die ersten drei Teile von Johnsons Hauptwerk, in dem der Autor ein Panorama deutscher Geschichte von der Weimarer Republik bis in die ersten Jahre der DDR entfaltet und mit dem alltäglichen Leben seiner Titelfigur und deren Tochter im New York der Jahre 1967/68 verknüpft, erscheinen 1970, 1971 und 1973 bei Suhrkamp. Ab 1974 lebt Uwe Johnson in Sheerness-on-Sea in der englischen Grafschaft Kent. Durch eine Schreibblockade verzögert sich der letzte Band der „Jahrestage“, er kann erst 1983 erscheinen – ein Jahr vor Johnsons Tod an Herzversagen im Alter von 49 Jahren. Sein Nachlass befindet sich im Uwe-Johnson-Archiv an der Universität Rostock. Hier wird gegenwärtig auch die Uwe-Johnson-Werkausgabe erarbeitet, ein Akademievorhaben der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (BBAW). Es entsteht eine historisch-kritische Edition der Werke, Schriften und Briefe Uwe Johnsons in gedruckter und digitaler Form.

Biografien

VOLKER KOEPP (Regie)
1944: in Stettin geboren, aufgewachsen in Berlin
1962: Abitur in Dresden; Maschinenschlosserlehre
1963–65: Studium an der Technischen Universität Dresden
ab 1966: Studium an der Deutschen Hochschule für Filmkunst in Potsdam-Babelsberg
1969: Diplom
1970–91: Regisseur im DEFA-Studio für Dokumentarfilme in Potsdam-Babelsberg und Berlin
ab 1992: freier Regisseur und Autor; Gastprofessuren in Babelsberg, Lehrtätigkeit an der Filmakademie Baden-Württemberg
seit 1996: Mitglied der Akademie der Künste
2002: Freedom Award der American Cinema Foundation Los Angeles
2003: Preis der DEFA-Stiftung zur Förderung der deutschen Filmkunst
2005: Georg-Dehio-Kulturpreis/Deutsches Kulturforum östl. Europa
2010: zum Professor h.c. des Landes Brandenburg bestellt
2014: Bundesverdienstkreuz 1. Klasse
2021: Ehrenmitglied der Deutschen Filmakademie

Filmografie (Auswahl):

  • 1971

    „Schuldner“

  • 1972

    „Grüße aus Sarmatien“

  • 1973

    „Gustav J.“

  • 1974

    „Slatan Dudow“

  • 1975

    „Mädchen in Wittstock“

  • 1976

    „Das weite Feld“, „Wieder in Wittstock“

  • 1977

    „Hütes-Film“

  • 1978

    „Am Fluß“, „Wittstock III“

  • 1979

    „Tag für Tag“

  • 1980

    „Haus und Hof“

  • 1981

    „Leben und Weben“

  • 1982

    „In Rheinsberg“

  • 1983

    „Alle Tiere sind schon da“

  • 1983-85

    „Afghanistan 1362: Erinnerung an eine Reise“

  • 1984

    „Leben in Wittstock“

  • 1985

    „An der Unstrut“

  • 1986

    „Die F96“

  • 1987

    „Feuerland“

  • 1988/89

    „Märkische Ziegel“

  • 1989/90

    „Arkona – Rethra – Vineta“

  • 1990

    „Märkische Heide, Märkischer Sand“

  • 1991

    „Märkische Gesellschaft“, „In Karlshorst“, „In Grüneberg“

  • 1992

    „Neues in Wittstock“, „Sammelsurium – Ein ostelbischer Kulturfilm“

  • 1993

    „Die Wismut“

  • 1995

    „Kalte Heimat“

  • 1996

    „Fremde Ufer“

  • 1997

    „Wittstock, Wittstock“

  • 1999

    „Herr Zwilling und Frau Zuckermann“

  • 2001

    „Kurische Nehrung“

  • 2002

    „Uckermark“

  • 2004

    „Dieses Jahr in Czernowitz“

  • 2005

    „Pommerland“

  • 2006

    „Schattenland – Reise nach Masuren“

  • 2007

    „Söhne“, „Holunderblüte“

  • 2008

    „Memelland“

  • 2009

    „Berlin–Stettin“

  • 2011

    „Livland“

  • 2013

    „In Sarmatien“

  • 2016

    „Landstück“

  • 2017

    „Wiederkehr“, „Im Exil – Begegnungen mit Norman Manea“

  • 2018

    „Seestück“

  • 2023

    „Gehen und Bleiben“

BARBARA FRANKENSTEIN (Buch). Studium der Theater-Film- und Fernsehwissenschaft, Germanistik und Kunstgeschichte in Köln mit Magisterabschluß. Ab 1986 freie Tätigkeiten als Regieassistentin und Autorin für Fernsehproduktionen. Freie Redakteurin für Fernsehspiel und Dokumentarfilm im SFB/RBB. 1998 Gründung von Vineta Film und bis 2005 Tätigkeit als Produzentin. Zusammenarbeit mit Volker Koepp als Autorin und Dramaturgin seit 1998, zuletzt für den Dokumentarfilm „Seestück“ (2018).

Credits

Crew

Regie

Volker Koepp

Buch

Barbara Frankenstein

Kamera

Uwe Mann

Montage

Christoph Krüger

Originalton

Stephan Settele

Tonbearbeitung

Bernd Biemüller

Mischung

Robert Jäger

Farbkorrektur

Till Beckmann

Postproduktion

Convoi Studio, Interaudio, Rimini Berlin, Babelfisch

Filmgeschäftsführung

Karin Fiedler

Produktionsleitung

Jana Cisar, Günter Thimm (RBB)

Redaktion

Rolf Bergmann, Thomas Beyer

Sprecher

Peter Kurth

Mit
Stuart Roberts
Judith Zander
Erhard Sievert
Peter Kurth
Hans Jürgen Syberberg
Helga Elisabeth Syberberg
Aukje Dijkstra
Undine Spillner
Fritz Rost
Heinz Lehmbäcker
Hanna Lehmbäcker
Dietrich Sagert
Kristian Wegscheider
Christian Höser
Thomas Irmer
Uta Löber
Erdmut Wizisla
Karin Bosinski
Hartmut Bosinski

Eine Gemeinschaftsproduktion von Vineta Film und Rundfunk Berlin-Brandenburg / Mitteldeutscher Rundfunk
gefördert durch die Filmförderung des Landes Mecklenburg-Vorpommern und die Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein
gefördert von Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien
im Verleih von Salzgeber

Weitere Filme von Volker Koepp

Die Wismut

ein Film von Volker Koepp

Herr Zwilling und Frau Zuckermann

ein Film von Volker Koepp

Kurische Nehrung

ein Film von Volker Koepp

Uckermark

ein Film von Volker Koepp

Dieses Jahr in Czernowitz

ein Film von Volker Koepp

Schattenland

ein Film von Volker Koepp

Pommerland

ein Film von Volker Koepp

Söhne

ein Film von Volker Koepp

Holunderblüte

ein Film von Volker Koepp

Memelland

ein Film von Volker Koepp

Berlin – Stettin

ein Film von Volker Koepp

Livland

ein Film von Volker Koepp

In Sarmatien

ein Film von Volker Koepp

Landstück

ein Film von Volker Koepp

Wiederkehr

ein Film von Volker Koepp

Seestück

ein Film von Volker Koepp